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"Botanisch-Zoologische Reisen - Iberische Halbinsel."

(Einführung). Pdf - 191 pp. (->Download)

(Reisestationen)

Portugal:
Algarve - Vol I. 882 pp. (-> Download)
Alentejo, Estremadura, Beira Litoral Voll II. 803 pp. (-> Download)
Serra da Lousã - Vol III 969 pp. (-> Download)
Serra da Estrela Vol IV (Teil I) 1014 pp. (-> Download)
Serra da Estrela Vol IV (Teil II) 914 pp. (-> Download)
Trás-os-Montes, Alto Douro, Minho (Gerês) 660 pp. Vol. V (-> Download)

Spain:
hopefully to be continued ...


(contains Web links to Flora-On for observed plant species and SIVIM for plant species and communities; Illustrated text in German language)

Friday, October 9, 2015

Reisestationen (2.1b - Geschichte des Algarve - Botanisch-Zoologische Reisen - Iberische Halbinsel)

Eine Botanisch-Zoologische Rundreise auf der Iberischen Halbinsel.
Auf der Suche nach der Verlorenen Zeit

Von Horst Engels



2.1. Algarve


1. Frühere Botanische Reisebeschreibungen und Aktuelles Pflanzenspektrum des Algarve

2. Geschichte und Vorgeschichte des Algarve - Territorium und Kultur - Pflanzen- und Tierwelt - Kulturpflanzen - Moderne Genetik

3. Sehenswürdigkeiten im Algarve

3.1 Ostalgarve (Sotavento)

3.2 Westalgarve (Barlavento)


2. Geschichte und Vorgeschichte des Algarve - Territorium und Kultur - Pflanzen- und Tierwelt


Der Algarve ist eine Region, dessen Gesicht in starkem Masse durch eine Jahrtausende währende Interaktion zwischen Mensch und Natur geprägt wurde. Der historische Einfluss auf die bestehende Pflanzenwelt im Algarve, vor allem durch die Araber, ist überall, auch noch in der Sprache wiederfindbar.

Es existieren ausführliche und gute Beschreibungen über die  kulturelle Geschichte der Algarve, z. B. eine Beschreibung von Rosa Varela Gomes, allerdings in portugiesischer Sprache, über die Stadt Silves. Wir wollen deshalb anhand eines Leitpfades die Geschichte des Algarve nochmals kurz zusammenfassen, wobei jedoch auf die in vor- und frühgeschichtlichen Zeiten existierende Vegetation, die Herkunft und Einführung der heute im Algarve anzutreffenden Kulturpflanzen und der zu historischen und prähistorischen Zeiten im Algarve bestehenden Tierwelt besonders hingewiesen werden soll.

Blick auf Silves. Gravur von 1825.




Die Vor- und Frühgeschichte


Einen allgemeinen Überblick über die Vor- und Frühgeschichte der Iberischen Halbinel finden wir in dem 1985 erschienenen Buch von H. N. Savory: “Espanha e Portugal. Ein umfassendes Werk zur Vorgeschichte des Algarve ist das 4 bändige Werk von S. da Veiga: “Antiguidades Monumentaes do Algarve - Tempos Prehistóricos , das ausser den Beschreibungen (in portugiesischer Sprache) auch erstklassige Zeichnungen zu den praehistorischen Monumenten und Artefakten enthält. Seit dem Erscheinen dieser wichtigen Arbeiten sind jedoch neuere archaologische Funde im Algarve gemacht worden, vor allem aus der Alt- und der Jungsteinzeit, so dass sich das jetzige Bild der Frühgeschichte des Algarve in einem neuen Licht zeigt.
Viega.jpg
Estácio da  Veiga (1828-1891), einer der Pioniere der portugiesischen Archaeologie und Begründer der “Archaeologischen Kartographie des Algarve”.



Altsteinzeit (Palaeolithikum)
Es gibt rezente Nachweise paleolítischer Lagerstätten mit Artefakten aus dem Oberen Palaeolithikum (27.000 - 12.000) im Algarve. Diese Fundorte sind bei Bicho et. al. (2010) zusammengefasst. Die Algarve wurde also schon vor mindestens ca 27.000 Jahren von Menschen besiedelt. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei noch ausschliesslich um Jäger und Sammler handelte, die jedoch aufgrund der vorgefundenen Vielfalt an marinen und terrestrischen Schalen- und Knochenresten von Krebsen, Weichtieren und Säugetieren, über ein breites und vielfältiges Nahrungsspektrum verfügten.

Palaeolithikum - Algarve.JPG

Die wichtigsten archaeologischen Fundorte des Oberen Palaeolithikum im Algarve
(1 - Ponta Garcia (Magdalenense) und Vale Santo (Moustierense und Magdalenense); 2 - Lagoa do Bordoal (Moustierense und Magdalenense) und Lagoa Mosqueiro (Gravetense); 3 - Vale Boi (Moustierense? Gravetense, Proto-Solutrense, Solutrense, Magdalenense); 4 - Cruz da Perla (Solutrense, Magdalenense?); 5 - Vala (Solutrense, Solutreo-Gravetense); 6 - Praia da Galé (Moustierense, Magdalenense).)

Vale Boi - Vila do Bispo

Vale Boi befindet sich das sich an der Nationalstrasse EN125 zwischen Lagos und Vila do Bispo (Entfernung zur Küste ca 2,5 km) und ist die wichtigste Fundstätte des Oberen Palaeolithikum in Portugal. Die Fundstätte wurde 1998 von einer Forschergruppe der Universität von Faro (Universidade do Algarve) entdeckt und teilt sich in drei Zonen auf: ein offener Schutzbereich (shelter) am Fels; eine Hangzone (slope) und eine Terrasse (terrace). Während die Schutzzone (shelter) auch als Müllhalde diente, wurden die beiden anderen Zonen im Laufe der Zeit mehrfach bewohnt. Die Hanglage begünstigte zweifelsohne die Jagd auf terrestrische Tiere und die Nähe zum Meer, möglicherweise befand sich dort auch eine Lagune, begünstigte das Sammeln und Fangen der Meerestiere.
azu_etd_11369_sip1_m.jpg
Foto des Ost-Hanges mit der Fundstätte Vale Boi. Vale Boi erstreckt sich 80 m entlang des Hanges, von dem weissen Kalkstein-Kamm ab abwärts.

azu_etd_11369_sip2_m.jpg
Das Profil der Fundstätte Vale Boi.
valeboi-500x298.jpg



Im Laufe von 10 Jahren wurden im Vale de Boi neben Knochenresten von terrestrischen Tieren und Resten von Meerestieren tausende von Artefakten gefunden, zum grössten Teil bearbeitete Steine, wobei es sich bei einem Teil davon um Pfeilspitzen handelt. Daneben wurde aber auch eine Schieferplatte mit drei Gravuren von Tieren gefunden, wahrscheinlich Auerochsen, deren Alter auf mehr als 20.000 Jahre geschätzt wird. Verschiedene aus Muschelschalen angefertigte Verzierungen wurden ebenfalls gefunden. An Menschlichen Ueberresten (Homo sapiens) fand sich lediglich ein Zahn, der auf ein Alter von 7000 Jahren datiert wurde.

In den Ausgrabungen im Vale Boi (Vila do Bispo) wurden folgende Reste von Krebsen (Crustacea), Weichtieren (Mollusca) und Säugetieren (Mammalia) gefunden:




Art
(Mollusca und Crustacea)
Gravetense
(25.000-21.000)
Solutrense
(20.000-15.000)
Magdalenense
(18.000-12.000)
MNI*
%
MNI
%
MNI
%
Mytilus spec. (Miesmuschel)
12
1,1
25
5,1


Pecten maximus (Grosse Pilgermuschel)
2
0,2
3
0,6


Acanthocardia spec. (Herzmuschel)


3
0,6


Cerastoderma edule (Gemeine Herzmuschel)
1
0,1
11
2,2
1
25
Callista chione (Glatte Venusmuschel)
1
0,1




Ruditapes (Venerupis) decussata (Teppichmuschel)
5
0,5
5
1,0


Veneridae (Venusmuschel)
1
0,1
2
0,4


Patella sp. (Napfschnecke)
1.025
97,2
2.875
89,2
3
75
Monodonta lineata (Kreiselschnecke)


1
0,2


Nucella lapillus (Purpurschnecke)
1
0,1




Thais haemastoma
1
0,1




Cerithiidae
1
0,1




Naticidae
1
0,1




Pollicipes pollicipes (Entenmuschel)
2
0,2




*MNI - Minimum number of individuals gibt die Mindestzahl von Menschen oder Tieren in einer Skelettanhäufung. Die Zahl wird verwendet, um die Anzahl der Individuen in einer Knochenansammlung abzuschätzen.

Tabelle. Krebse (Crustacea), Marine Muscheln (Bivalvia) und Schnecken (Gastropoda) aus dem Palaeolithikum. Fundstelle:  Vale Boi (Vila do Bispo), Portugal.




Art (Spezies)
(Mammalia und Aves)
Gravetense
(25.000-21.000)
Solutrense
(20.000-15.000)
Magdalenense
(18.000-12.000)
NISP*
%
NISP
%
NISP
%
Bos primigenius (Auerochse)
20
0,58
74
1,54
4
0,55
Equus caballus (Wildpferd)
115
3,33
574
11,97
42
5,78
Equus sp. (Pferdeartige)
15
0,43
47
0,98


Cervus elaphus (Rothirsch)
472
13,65
1.533
31,96
186
25,58
Capra/Ovis (Ziege/Schaf)
4
0,12
7
0,15


Sus scrofa (Wildschwein)
1
0,03
2
0,04


Vulpes vulpes (Rotfuchs)
9
0,26
4
0,08
4
0,08
Canis lupus (Wolf)
2
0,06
4
0,08


Panthera leo (Löwe)
3
0,09
1
0,02


Lynx pardina (Pardelluchs)
11
0,32
5
0,10
2
0,28
Oryctolagus cuniculus (Wildkaninchen)
2.803
81,06
2.540
52,96
487
66,99
Cetacea (Walartige)
1
0,03




Aquila chrysaetos (Steinadler)
2
0,06
3
0,06


*NISP - The Number of Identified Specimens oder Number of Individual Specimens wird in der Archaeologie oder Palaeontologie verwendet, um die Anzahl der Knochenfragmente an einem Fundort zu zählen. NISP zählt jeden Knochen und jedes Fragment als eine Einheit. NISP ist ein Schätzwert für die Anzahl von Individuen an einer Fundstätte, jedoch ist NISP>=MNI, da mehrere Fragmente eines Knochens oder Skelettelementes zu einem einzigen Individuum gehören können.

Tabelle. Säugetiere (Mammalia) und Vögel (Aves) aus dem Palaeolithikum. Fundstelle:  Vale Boi (Vila do Bispo), Portugal.


Palynologie und Palaeobotanik


Ein aufschlussreicher Weg, genaueres über Klima, Vegetation und die Landschaften der Vor- und Frühgeschichte zu erfahren, ist die Palynologie oder Pollenanalyse im Rahmen palaeobotanischer Untersuchungen (siehe Palaeobotanik).

Eine wertvolle Übersicht über die Palaeobotanik und Palynologie der letzten 5-6 Millionen Jahre auf der Iberischen Halbinsel ist erst kürzlich von José Carrion (Koordinator) und anderen Mitarbeitern erschienen: “PALEOFLORA Y PALEOVEGETACIÓN DE LA PENÍNSULA IBÉRICA E ISLAS BALEARES: Plioceno-Cuaternario” : Dieses Projekt wurde vom Wissenschaftsministerium Spaniens finanziert und 2012 publiziert. Das 2-bändige Werk enthält auch drei Untersuchungsstandorte des Algarves: Beliche (site 15 CM5, Morgadinho (site 6) und Castelejo (site 21); e ).

Polynologische Untersuchungsstandorte im Algarve


Beliche - Standort 15 (Faro, Portugal Tardiglacial-Holoceno (12.8050-4.857 a. cal. BP))

Die Schwemmebene von Beliche (Standort 15) - das Foto in südwestliche Richtung zeigend, mit dem Rio Guadinana im Hintergrund. Portugal (Foto: Carrión et al., 2002)




Der Beliche-Fluss verläuft im Unteren Einzugsbereich des Guadiana Flusses im Inneren der Algarve-Provinz und mündet in den Guadiana. Die Sondierung Cm5 (37° 16’ N, 07° 27’ O; 25 m NN) befindet sich im Ueberschwemmungsbereich des Beliche, ganz in der Nähe seiner Mündung in den Guadiana (ca 600 m vom Hauptflussbett entfernt) und ca 10 km von der Atlantikküste mit dem Golf von Cadiz entfernt.

16_PORTUGAL Fig 765.jpg
Polynologisches Diagramm von CM5 Beliche. Nach Fletcher et. al. (2007)

Die Sequenz Cm5 wurde im Rahmen einer Untersuchung zur Postglazialgeschichte des Guadiana-Estuars gewonnen und besteht aus einer 48m tiefen Bohrung mit Schlickablagerungen des Flusses und des Estuars. Die Umgebung um die Sondierung herum besteht aus einem Mosaik von Ackerflächen, Weiden und menschlichem Besiedlungsgelände. Am Guadiana schliesst die Vegetation des Marschlandes folgende Arten ein: Spartina maritima, Arthrocnemum und Limoniastrum, mit Binsenbeständen (Juncus) und  Suaeda vera an den Ufern, wo auch Rumex und Plantago vorkommen.


In der Nähe des Flussbettes gibt es Wälder mit Fraxinus angustifolia und Tamarix africana. Die Hügel im Süden sind mit Ceratonia siliqua bestanden und es wächst dort Wintergetreide, während man im Norden Matorral mit Cistus ladanifer und C. monspeliensis, Phillyrea angustifolia, verschiedenen Ginsterarten (Fam. Fabaceae) und Lavandula stoechas vorfindet.

Die Pollenstudie anhand der Sequenz Cm5 offenbart eine Reihe wichtiger regionaler Vegetationszonierungen zwischen 13.000 und 1.600 a. cal. BP.

Die wichtigsten 5 identifizierten Phasen sind:

  1. ein Wald mit Quercus und Pinus während eines Interstadials des Tardiglazials mit einem gemässigten, feuchten Klima und leichtem Kontinentalcharakter (Schicht Cm5-1);
  2. Eine Abnahme von Quercus während des Dryas, begleitet von einer Zunahme der Pinienwälder und kryo- und xerophytischer Vegetation von Juniperus, Artemisia, Ephedra vom Typ distachya und Centaurea vom Typ scabiosa (Schicht Cm5-2);
  3. Ein Mosaik von Wäldern, Matorralen und offenen Flächen während des Frühen Holozäns mit einem warmen, trockenen und relativ kontinentalen Klima (Schichten Cm5-3, 4, 5);
  4. Die maximale Ausdehnung von Quercus und mediterraner Hartlaubvegetation mit  Olea, Phillyrea und Pistacia, unter einem warmen, feuchten und ozeanischen Klima zwischen 9000 und 5000  a. cal. BP (Schichten Cm5-6, 7, 8);
  5. und zuletzt eine zunehmende Progression von Matorralen mit Cistaceae und Ericaceae, auf eine Tendenz der Versteppung und eine Zunahme anthropogener praehistorischer Aktivitäten seit 5000 a. cal. BP hinweist (Schichten Cm5-9, 10 und 11).

Aufgrund der Änderung in der Häufigkeit des Auftretens der xerophytischen Taxa  (Juniperus, Artemisia y Ephedra tipo distachya) konnte mehrfach ein plötzliches Auftreten von kurzzeitigen Trockenheitsperioden um 10.200, 7800, 4800, 3100 und 1700 cal. BP festgestellt werden.



Morgadinho - Standort 6 (Faro, Portugal - Altpleistozän - Mittelpleistozän)

Megalapias im Algarve, wahrscheinlich in der Nähe der Fossilfundstätte von Morgadinho, Algarve (Standort  6).
(Foto aus: Carrión et al., 2002)

 

Die Fossilfunde von Morgadinho (? 37° 05’ 52” N, 08° 13’ 59” O; 33m NN) sind 1981 gemacht worden. Ursprünglich dem Myozän zugeordnet, werden jetzt aufgrund kleinsäugerhaltiger Sedimentedie die mn17-mn18 Zonen  dem Frühen bis Mittleren Pleistozän zugeordnet. Ausser Kleinsäugern wurden fossile Reste von Amphibien, Fischen, Süsswasser - Gastropoden und - Ostracoden gefunden und identifiziert. Die palynologischen Untersuchungen der Sedimente ergaben das Vorhandensein von Moossporen (Bryophyta) wie Anthoceros und Riccia sowie von Tüpfelfarnen (Polypodiaceae). Die Nacktsamigen Pflanzen (Gymnospermata) sind durch Cathaya, Keteleeria, Picea, Pinus und Cupressaceae vertreten. Unter den Bedecktsamigen (Angiospermata) sind Quercus, Ericaceae, Mimosaceae, Salix, Amaranthaceae /Chenopodiaceae, Cistaceae (Cistus) und Erodium (Geraniaceae) vertreten. (https://run.unl.pt/bitstream/10362/1538/1/CT_08_01.pdf)




Castelejo - Standort 21 (Portugal - Holoceno medio (9690-8700 a. cal. BP))


Lage der Fundstätte von Castelejo (Standort 21) bei Vila do Bispo, Portugal.
(Foto: Carrión et al., 2002)

Die archaeologische Fundstätte von Castelejo befindet sich in der Schlucht “Barranco A. Marinho” (37º 05’ 58” N, 08º 56’ 38” O), welche in südöstlich-nordöstlicher Richtung verläuft, wobei sie ein 3km langes Tal mit einem Gesamthöhenunterschied von 100m bildet und am Strand von Castelejo bei Vila do Bispo (Vicentinische Küste, Algarve) am Atlantik endet.
Die Talschlucht von Castelejo befindet sich in einer Küstenzone mit Steilfelsen von zum Teil 50m Höhe. Die Ausgrabungsstätte liegt in ca 25m Höhe über dem Meeresspiegel (NN) in der engen Talschlucht,  die durch die Steilfelsen der umgebenden Küste vor den starken Westwinden gechützt ist. Es handelt sich um eine offen liegende Hangfläche von äolischen Sandablagerungen, die an der Fundstelle kalkverkrustet sind.
Die Schichten (Stufen) können aufgrund von Radiokarbon-Datierungen dem Mittleren Holozän zugeordnet werden (9690-8700 a. cal. BP):
Radio-Karbondatierungen der unteren Schichten der Fundstätte Castelejo (Vila do Bispo, Algarve).
Nach Soares & Tavares (2004)

Die biogeographischen Bedingungen sind vom thermomediterranen Typ und die Niederschläge befinden sich im subfeuchten Bereich, im Mittel zwischen 500-1000 mm Niederschlag pro Jahr.

Die aktuelle Vegetation besteht aus niedrigem, stark degradiertem Matorral, der aufgrund wiederholter Brände und durch die Beweidung nur wenige Arten enthält. Dieser Matorral wird dominiert durch verschiedene Cistus-Arten (Cistus ladanifer, C. salvifolius und C. monspeliensis), Mastixstrauch (Pistacia lentiscus), Phoenizischen Wacholder (Juniperus phoenicea), Kermeseiche (Quercus coccifera) und Schmalblättrige Steinlinde (Phillyrea angustifolia) und andere.

Castelejo ist eine interessante stratigraphische Sequenz, die es ermöglicht, das Mittlere Holozän an der südwestlichen Atlantikküste Portugals zu studieren und kennenzulernen. Die archaeologischen Ausgrabungen haben spätpalaeolithische, mesolithische und frühneolithische Schichten freigelegt. Es handelt sich um einen kleinen, zu verschienen Jahreszeiten benutzten Lagerplatz, der wahrscheinlich hauptsächlich dazu diente, marine Nahrungsressourcen, im besonderen Mollusken und andere Meeresfrüchte zu verwerten.


16_PORTUGAL Castelejo.jpg
Identifizierter Pflanzenspezies in Castelejo. Nach Carrión-Marco et. al. (2010)



Bei den identifizierten Pflanzen der verschiedenen Schichtstufen handelt es sich mit Ausnahme von Sorbus/Crataegus und Prunus um verholzte, immergrüne Pflanzen, die in der Umgebung des Lagerplatzes wuchsen und als Brennholz benutzt wurden.

Die in allen Spektren des oben gezeigten zeitlichen Diagrams dominierende Spezies ist die Wilde Olive (Olea europaea var. sylvestris), die auf allen Schichtstufen hohe Prozentanteile (>50%) besitzt. Die Anteile der Arten bleiben im zeitlichen Verlauf in den Schichten gleich und zeigen keine statistisch signifikanten Schwankungen.

Bei der Vegetation handelte es sich um eine von der Wilden Olive (Oleaster) (Olea europaea var. sylvestris) dominierte und durch sie gekennzeichnete Pflanzenformation, die von Pistacia lentiscus, Cistus, Rhamnus und/oder Phillyrea, Fabaceae und Juniperus begleitet wurde.
Die niedrigen Anteile der Eiche (Quercus) deuten darauf hin, dass ihr Vorkommen in der Gegend marginal war und sie keine Waldbestände formte; der niedrige Anteil des Erdbeerbaums  (Arbutus unedo) spricht ebenfalls für diese Hypothese. Die Präsenz von Zistrosengewächsen (Cistus) deutet auf eine offen Landschaft hin.
Alle identifizierten Arten sind heute im thermomediterranen bioklimatischen Bereich mit trockenem und subfeuchten Ombroklima anzutreffen. Daraus lässt sich schliessen, dass das Klima während des Boreals (8.690–7.270 v. Chr.) und Atlantikums (7.270–3.710 v. Chr.) dem heutigen Klima in dieser Region ähnelte.



Die Olea-Formationen könnten den Aspekt eines sklerophytischen Waldes gehabt haben, denn Wilder Ölbaum, Mastix und Erdbeerbaum können bei guten Umweltbedingungen und geringem anthropogenen Druck mehrere Meter an Höhe erreichen, wie z. B. in der Serra da Arrabida, wo sie 5-10 m hoch werden. Im Gebiet von Castelejo wäre allerdings ein limitierender Faktor die starken maritimen Winde gewesen  - weshalb hier heute die Vegetation zwergwüchsig ist, um sich vor den starken Winden und der Salinität zu schützen. Die Physiognomie der Pflanzen lässt sich allerdings den fossilen Überresten nicht entnehmen.

Heute gibt es im Gegensatz zur prähistorischen Zeit keine Wilde Olive mehr in der Umgebung von Castelejo. Die in der Fundstätte von Castelejo identifizierten Pflanzen besitzen im allgemeinen eine grosse Toleranz bezügl. des Bodens, wobei einige Arten wie Cistus und Arbutus  siliziumhaltige Böden vorziehen. Vielleicht ist Olea anspruchsvoller und bevorzugt mediterrane, basische Böden. In der Gegend von Castelejo sind die Böden siliziumhaltig, lediglich in der Zone der Flugsande kann der Boden aufgrund einer Karbonisierungsprozesses basischer sein. Diese Zone konsolidierter Sande findet man vom Tal bis in ca 60-70m Höhe, einen sanftabfallenden Hang bildend. Vielleicht besiedelte Olea diese Zone bei der Entstehung der Siedlung.

Die Kohlereste in den Wohnstätten zeigen eine opportunistische Verwendung des Brennholzes durch die Bewohner an, denn in einer Wohnstätte wurde lediglich Olea gefunden, in einer anderen Pistacia und in einer dritten Wohnstätte Kohlereste von verschiedenen Pflanzenarten. Es bleibt zu erwähnen, dass in der Küstenregion Portugals, des Alentejos und Zentralortugals  im Holozän relativ häufig Reste von Olea und Pistacia in archaeologischen Fundstätten gefunden, so das thermomediterrane Pflanzengesellschaften mit diesen Arten weitverbreitet gewesen sein müssen

Mittel- und Jungsteinzeit (Meso- und Neolithikum)

Ab 10.000 vor Chr., zu Beginn der Jungsteinzeit und mit dem Ende der letzten grossen Kältezeit (Würm), findet auch auf der Iberischen Halbinsel ein Übergang von einem nomadischen Jäger- und Sammlerleben zu seßhaftem Leben mit Ackerbau und Viehzucht statt.
Dennoch finden sich in den jungsteineitlichen Ausgrabungen des Algarve häufig noch Muschelansammlungen, was darauf schliessen lässt, dass die nomadische Jäger- und Sammlerkultur hier noch zu bestehen und überdauern scheint und eine seßhafte Lebensweise mit Ackerbau, im Rahmen der mesolithisch-neolithischen Transition, möglicherweise parallel zur bis dahin nomadischen Lebensweise und durch Einwanderer aus dem Nahen Osten im Iberischen Raum entstanden ist. Zumindest spricht für diese Hypothese eine kürzlich nachgewiesene genetische Diskontinuität in der DNA zwischen Palaeolithischen Jägern und den Frühbauern aus dem Neolithikum.

Muscheln wurden auch zur Verzierung von Keramiken in der sog. Cardial- oder Impressokultur im Westlichen Mittelmeerraum verwendet. Diese Kultur, die nach der Verwendung der Herzmuschel als Stempelabdruck bei der Verzierung von Keramikgefässen benannt wurde und in den Zeitraum der meso-neolithischen Transition fällt, ist im Algarve ab 5.500-5.250 nachweisbar (Fundstätten Cabranosa und Padrão).

Hier eine Karte von meso-neolithischen Ausgrabungsstätten im Algarve, in denen Muschelabfallhaufen (Køkkenmøddinge) gefunden wurden.

Shell middens Algarve.JPG

Mesolithische und Neolithische Muschelabfallhaufen (Køkkenmøddinge) im Westalgarve.
(1) Rocha das Gaivotas & Armação Nova; (2) Barranco das Quebradas; (3) Vale Santo & Cabranosa; (4) Castelejo; (5) Padrão; (6) Vale Boi; (7) Alcalar; (8) Ibn-Amar Cave; (9) Ribeira de Alcantarilha.




Megalithkulturen

Beginnend mit dem Neolithikum entsteht auch die sogenannte Megalithkultur. Der Begriff „Megalithkultur“ beinhaltet nach Jean-Pierre Mohen drei Kriterien: ein Tumulus (Hügelgrab), lokale Begräbnisriten und „große Steine“, weitere Gemeinsamkeiten fehlen. Der Brauch, Tote in Großsteingräbern zu deponieren, entwickelte sich unabhängig voneinander in verschiedenen Teilen der Erde. Allerdings gibt es übergeordnete geistig-religiöse und soziologische Deutungsversuche. Hier einige der wichtigeren Standorte Megalithischer Monumente im Algarve:

Menires Algarve copy.jpg
Megalithische Monumente und Archaeologische Museen im Algarve

1 - Monumentos da Quinta da Nora e Herdade da Marcela (Standing Stones); 1a - Menires de Lavajo (Menhir); 2 - Túmulo de Santa Rita (Chambered Tomb); 3 - Salir Museum; 4 - Nekropolen und Menhire bei São Bartolomeu de Messines (Menhire von Vilarinha; Nekropole von Carrasqueira und Forneca); 5 - (Silves Museum; Menhir dos Gregórios (Pedra dos Cucos)); 6 - Convento de Sao Jose, Lagoa (Menhir); 7 - Portimão (Monolith); 8 - Alcalar (Chambered Tomb) und Hipogeu (Rock Cut Tomb); 9 - Menir da Cabeça do Rochedo (Standing Stone (Menhir)); 10 - Centro de Interpretação de Vila do Bispo (Museum und Menhire von Bispo) und Menir de Padrao (Standing Stone (Menhir).



Metallurgische Innovationen

Die Steinzeit geht gegen 3000 vor Chr. ihrem Ende zu und die Verwendung von Metallen wie Kupfer und Eisen sowie von Metall Legierungen wie der Bronze bestimmen ab jetzt die Entwicklungen der Geschichte. Die “Neolithische Revolution” hat definitiv auch die Iberische Halbinsel erreicht und neue Technologien und Lebensformen wie Ackerbau, Herstellung und Gebrauch von Metallen und deren Legierungen, neue Kunstformen und Totenkult verändern in relativ kurzer Zeit völlig die Lebensweise der Bevölkerung.



Die Kupfer-Steinzeit (Chalkolithikum) im Algarve

Mit dem Erscheinen  der letzten Periode des Neolithikums, der Kupfer-Steinzeit, verfestigte sich die Stellung der sesshaften Frühbauern und Hirten auf der Iberischen Halbinsel und es entwickelte sich eine komplexere Sozialstruktur infolge einer zunehmend komplexeren Aufteilung der Räume und Habitate sowie der Gebräuche und Bestattungskulturen der Bevölkerung des Iberischen Raumens. Im Rahmen dieser neuen Kulturen tauchten die Megalithe, Dolmen, und Grabkammern auf, wie wir sie auch im Algarve antreffen.
Infolge des Kontaktes mit anderen mediterranen Bevölkerungsgruppen breitete sich sehr schnell auch die Kenntnis des Gebrauches und der Herstellung neuer Metalltechnologien, besonders des bis dahin wenig beachteten Kupfers aus. Die lokalen Bevölkerungen dürften diese neuen Technologien schnell in ihr Kulturgut aufgenommen haben.
Trotz der bestehenden Unterschiede in den lokalen Kulturen von Nord- bis Südportugal, bestehen grosse Übereinstimmungen und die zur herstellung von Werkzeugen und Waffen notwendigen Ausgangsmaterialen dürften zu einem weiteren wirtschaftlichen und kulturellen Austausch beigetragen haben.

Hier sind zwei archaeologische Fundstätten des Algarves beschrieben, die einen guten Einblick in die Kulturstufe der Kupfer-Steinzeit geben:


  1. Chalkolithische Siedlung von Alcalar (Portimão)

Die bisher durchgeführten geophysischen Untersuchungen und die archaeologisschen Ausgrabungen (obwohl bisher nur stellenweise durchgeführt) vermitteln schon einen ersten Einblick in die häusliche Organisation, die Praktiken der Produktion und den Lebensstil dieser Siedlungsgemeinschaft im Kontext der Konstruktion der Megalithischen Monumente von Alcalar, ebenso wie eine Interpretation der in das vorliegende Gebiet eingebetteten Kulturlandschaft des 3. Jahrtausends vor Christus.
In der Chalkolithischen Siedlung nehmen die Wohn- und Lagerareale einen tafelartigen Hügelraum ein, der sich von den umliegenden Auen abhebt. Eine Anzahl von Gräben trennten eine bewohnte Fläche, möglicherweise einer Elite vorbehalten, von dem übrigen Gelände von Alvor-Monchique ab, wobei der Wohnsiedlung eine zentrale Position zukam.


Auf diesem Hügel finden sich eine Gruppe von Wohnungen, jede von ihnen offenbar mit einer am Kopfende gelegenen überdachten Raum ausgestattet, der sowohl als Ruheplatz als auch der Zubereitung der Nahrung diente und der von den Einrichtungen zur Wasserversorgung und -speicherung (Kanäle und Tanks) sowie Gruben zur Nahrungsaufbewahrung und -speicherung umgeben war. Aufgrund der Tatsache, dass der Boden der Wohnräume tiefer gelegen war als der umgebende Raum, haben sich die Strukturen über tausende von Jahren erhalten, wobei die Pavimente und Feuerstellen durch den Schutz der Wände (aus Holz und Lehm auf einem Sockel aus Stein errichtet) und der Abdachungen der Wohnräume erhalten geblieben sind. Die architektonische Seltenheit dieser Wohnungen im 300. Jahrtausend vor Christi Geburt unterstreicht ihre Bedeutung als grosses Kulturerbe, welche den erhaltenen Exemplaren von Alcalar zukommt.
Der zentral gelegene Wohnbereich ist konzentrisch von einem Ring aus zahlreichen Speichergruben (Silos), einen weiten Scheunenbereich bildend, umgeben. Dieser wurde seinerseits durch mehrfache Umzäunungen (aus Gräben mit Erdwällen, Palisaden und Steinmauern bestehend) geschützt, deren regelmässige Anordnung dem Habitat eine “urbane” Architektur verleiht.
Dieses “Dorf”, welches als Ort zum Aufbewahren und zur Verteilung der Nahrungsmittel und anderer Produkte diente und für seine Zeit eine aussergewöhnlicher Grösse besass, erlaubte den Kommunen des Gebietes, den Bauern und  dem Handwerk, verschiedene Produkte zu erlangen, die sich von denen unterschieden, die sie selbst produzierten.
Der Wohnbereich verlängerte sich in tiefer gelegene Bereiche und erstreckte sich bis zu einer ausgedehnten Nekropole, mit diversen Gruppierungen von Grabmonumenten und zugehörigen Zeremonienbereichen, die zusammen mit dem Habitat und Siedlungsbereich eine organische Einheit bildet und die Aussergewöhnlichkeit dieses Ortes weiter unterstreicht.


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Megalitismo Alcalar 1a.jpg
Megalitismo Alcalar 1b.jpg
Dolmen in Alcalar (Portimão, Portugal). Zeichnungen nach Veiga (1889) 
 
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Megalitismo Alcalar 2.jpg
“Tholos” - Grabbaue in Alcalar, Portimão. Zeichnungen nach Veiga (1889).





2. Chalkolithische Siedlung Cerro do Castelo (Alcoutim)

Die Siedlung “Santa Justa” oder “Cerro do Castelo de Santa Justa” in Martim Longo, Alcoutim ist ebenfalls eine archaeologische Fundstelle aus dem Kupfer-Steinzeitalter, eine nicht allzu grosse Siedlung mit Bewohnern, die von der Landwirtschaft und der Wiedewirtschaft lebten. Diese Population widmete aber auch einen Teil ihrer Zeit der Gewinnung von Kupfer und sie produzierten Artefakte an diesem Ort. Die Siedlung besitzt eine zentrale, ovale Schutzanlage mit dicken Steinmauern, Bastionen bzw. Wehrtürmen. Die Eingänge zur Befestigungsanlage lagen an den Hauptscheitelpunkten der elliptischen Anlage - einer der Eingänge zeigt  Elbogenform und seitlich vom Eingang befindet sich ein Wehrturm. Die im Grundriss kreisförmigen oder ovalen mit bis zu 2 m im Durchmesser grossen Wohnungen (cabanas) lagen ausserhalb des zentralen Schutzbereichs; in einigen fand man Reste von Kupferschmelzen.
In  dieser Siedlung wurden auch kleine kreisförmigen Grundsockel, wahrscheinlich von Brennöfen, gefunden, die höchstwahrscheinlich zum Brennen von Keramiken verwandt wurden. Es wurden Keramiken mit offener und geschlossener Halsform gefunden. Es gibt ebenfalls viele Hinweise auf eine Kupferverarbeitung wie Schlacken, Giessformen nebst zahlreichen Artefakten aus Kupfer. Das Kupferausgangsmaterial entstammte wahrscheinlich benachbarten Minen wie der Mine “Cova dos Mouros” von Ferrarias (Vaqueiros, Alcoutim), wo es im Tagebau abgebaut wurde. Die Kupfervorkommen von Ferrarias gehören der berühmten ‘Faixa Piritosa Ibérica’ an, auf die wir auch noch im Rahmen der Minen von São Domingos und dem dortigen Vorkommen von Erica andevalensis während unseres Alentejo-Besuches zurückkommen werden.

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Cerro des “Castelo de Santa Justa” in Martim Longo, Alcoutim

Bronzezeit

Die Kupfermetallurgie ist die nachhaltige Vorstufe zur iberischen Bronzezeit. Mit der Glockenbecherkultur begann die ältere Bronzezeit, über die nur wenig bekannt ist. Das Grab von Quinta da Água Branca und der Hortfund von Alcácer sind Ausnahmen. Plätze und Siedlungen die mit der älteren Bronzezeit zu verbinden, aber noch unerforscht sind, sind das Castelo Velho bei Freixo de Numão, Columbeira, Vila Nova de São Pedro und Zambujal. Die mittlere, besonders im Norden deutlich werdende Phase wird auch "Atlantische Bronzezeit" genannt und zeigt deutliche Verbindungen zum übrigen Westeuropa. Im Süden ist mediterran-orientalischer Einfluss spürbar, der mit Tartessos zu verbinden ist. Im mittelportugiesischen Baiões ist die Kontaktzone der beiden Strömungen.

Ab 2000 v. Chr. erblüht die Kultur der Iberer, ein Volk, das vom 6. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. die Iberische Halbinsel zwischen Andalusien und dem Languedoc besiedelte und kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen zu den anderen Hochkulturen des Mittelmeerraums - den Phöniziern, Puniern und Griechen - pflegte. Für die jüngere Bronzezeit sind Grabfelder, wie das von Atalaia prägend, wo Menhire, hier "pedras empinadas" genannt, und waagerecht gelegte Platten häufig sind.


Die Bronzezeit im Algarve

Zu Beginn der Bronzezeit (c. 1800-700 a. C.), an der Wende zum 2. Jahrtausend v. Chr., welche mit einer beträchtlichen Zunahme des mediterranen und atlantischen Schiffverkehrs als Träger neuer Einflüsse einhergeht, ist im Algarve noch die Fortdauer der früheren Periode mit dem Gebrauch von Kupfer zu beobachten, wobei die Bronze jedoch als technische Ergänzung erscheint.
Wir beobachten demgemäss eine soziale Transformation, die im Generationenverlauf eine neue soziale Ordnung schuf und die mit Machtkonzentration einherging. Während dieser Phase sind auf dem heutigen portugiesischen Territorium drei Hauptgruppen zu unterscheiden. Im Alentejo und Algarve entwickeln sich die unter einander verbundenen Gruppen der “Bronze Südwest”, die lokale Kupfervorkommen ausschöpfen. Im Zentrum und Norden erscheint die Gruppierung “Atlantische Bronze”, die sich durch die Gewinnung von Zinn abhebt. Und schliesslich, in dem an metallischen Bodenschätzen armen Estremadura, ist eine kommerzielle Betätigung mit Reflexen in den kulturellen Aktivitäten beobachtbar. Die durch Wehrmauern geschützten Siedlungen werden zwar weiterhin benutzt, aber mit der Zeit durch weniger oder nicht geschützte Siedlungen ersetzt.
Die zuvor verwendeten Kollektivgräber werden zunehmend durch Einzelgräber ersetzt. Die Bestattungen werden mit metallischen Waffen, Keramik und Schmuckbeigaben begleitet. Für den Süden sind die chalkolithischen Monumente charakteristisch, es tauchen jedoch auch hier grosse Einzelgräber wie im Norden des Gebietes auf.
Das Ende des Zeitalters ist durch das Auftreten neuer Materialformen gekennzeichnet, die den kontinentalen Einfluss von jenseits der Pyrenäen her bekunden, aber auch den aus dem Mittelmeer kommenden Einfluss der frühen Phoenizier.




Die Eisenzeit im Algarve

Ab dem 8. Jahrhundert sind auf der Iberischen Halbinsel drei eisenzeitliche Kulturregionen unterscheidbar: die tartessische (8.–6. Jahrhundert v. Chr.), die iberische und die keltiberische. An den Küsten bestand intensiver Kontakt mit den Phöniziern und Griechen. Bis zum Zweiten Punischen Krieg wurde der Südosten von den Karthagern beherrscht und bis zur Zeitenwende schließlich die ganze Halbinsel von den Römern erobert.
Der keltische (keltiberische) Einfluss machte sich hauptsächlich im Norden und Westen der Iberischen Halbinsel bemerkbar. Die tartessische und iberische Kultur wirkt sich aber stark auf die Algarve-Region aus. Auch die Phoenizier gründen Kolonien an der Mediterranküste der Iberischen Halbinsel und trieben Handel mit der Bevölkerung des Algarve, bis schliesslich die ganze Iberische Halbinsel unter den Einfluss der Römer gelangt.



Innerhalb kurzer Zeit kommen somit die verschiedenartigsten Kulturen auf der Iberischen Halbinsel miteinander in Verbindung und eine interessante Frage ist auch die nach der Entwicklung der Sprachen, bzw. welche Sprachräume sich bis zu Beginn des Altertums auf der Iberischen Halbinsel herausgebildet haben. Eine hervorragende Karte dazu ist kürzlich an der Universität der Algarve von Luís Fraga veröffentlicht worden. Hier die Rekonstruktion der Sprachräume auf der Iberischen Halbinsel um 200 a.C. Aus dieser Karte geht hervor, dass der Algarve im Späten Neolithikum und zu Beginn des Altertums ethnographische Beziehungen zur Bevölkerung der Küstenregionen des Alentejo, auch aber zur südspanischen Bevölkerung gehabt haben muss.




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Vor-Römische Ethnien und Sprachen auf der Iberischen Halbinsel.
Ethnologische Karte der Iberischen Halbinsel nach dem 2. Punischen Krieg (200 a.C.). Vereinfachte Darstellungdes Originals .




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Vor-Römische Ethnien und Sprachen auf der Iberischen Halbinsel.
Ausschnitt (Südwestliche Iberische Halbinsel) der Ethnologischen Karte der Iberischen Halbinsel nach dem 2. Punischen Krieg (200 a.C.).



Mit dem Beginn der Sesshaftigkeit der Menschen im Neolithikum beginnt eine neue Era für die Menschheit. Die einsetzende Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht wird deshalb auch “Agrarische Revolution des Neolithikum” genannt. Die Menschen beginnen, Pflanzen und Tiere zu halten und zu weiterzuzüchten. Es stellt sich deshalb die Frage, welche Pflanzen und Tiere zu dieser Zeit von den Menschen gehalten und gezüchtet wurden.
Diese Frage kann teilweise anhand der Fossilreste beantwortet werden. Aber die Analyse der häufig verkohlten Ueberreste von Pflanzen bringt auch erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Getreide können bisweilen nur unvollständig anhand der Samen bestimmt werden. Dies trifft vor allem für verschiedene Unterarten, Hybride oder Kreuzungen innerhalb einer Art zu. Dennoch wurde es immer wieder versucht und Georg Buschan hat schon 1805 ein ganzes Buch über die “Vorgeschichtliche Botanik  der Cultur- und Nutzpflanzen der Alten Welt auf Grund Praehistorischer Funde  geschrieben. Er beschreibt denn auch die Schwierigkeiten, welche die Identifikation des fossilen Materials mit sich bringen.
Die Stammformen des Weizens sind besonders gründlich untersucht worden und es besteht heute kein Zweifel darüber, dass der Weizen aus dem Nahen Osten nach Europa eingeführt wurde. In den archaeologischen Fundstätten in Südportugal finden sich verschiedene ursprüngliche Getreidearten wie Einkorn (Triticum monococcum), Emmer (Triticum dicoccum) und verschiedene andere Weizenarten und -sorten (T. compactum, T. aestivum). Dennoch sind die näheren verwandtschaftlichen Beziehungen vor allem der Hybride und Polyploidformen des Wizens nach rein morphologischen Kriterien kaum zu bestimmen.

Hier hat sich in den letzten Jahrzehnten jedoch ein neues vielversprechendes wissenschaftliches Fenster geöffnet, nämlich die moderne Molekulargenetik mit der Sequenzierung von DNA. Seit der bahnbrechenden Veröffentlichung zur Mitochondrialen DNA-Sequenzierung von Taschenratten (pocket-gophers) im Jahre 1979 von Avise et. al. liefert die Sequenzierung und Klassifikation von DNA im Rahmen (inner- und zwischenartlicher) phylogenetischer Analysen ständig weitere Ergebnisse zur Ausbreitungsgeschichte von Tieren und Pflanzen. Dieser neue Wissenschaftszweig wird auch als Palaeogeographie bezeichnet und kann als neuer Bestandteil der Biogeographie im allgemeinen angesehen werden. Das bemerkenswerte dieser neuen Analysen ist, dass sie nicht wie bisher phylogenetische und kladistische Untersuchungen oberhalb der Speziesgrenze anhand biologischen Materials aus der Jetztzeit (und gut erhaltenem Fossilmaterial) erlauben, sondern auch auf unterartlicher Ebene eine Verwandtschaftsanalyse erlauben. Damit wird vor allem die biogeographische Geschichte einer Spezies einschliesslich der erfolgten Wanderungs- und Ausbreitungswege einer wissenschaftlichen Untersuchung zugänglich.

Ein Beisiel solcher modernen Analysen ist die Untersuchung von Olivera, H. et al. (2011) zum Einkorn (Triticum monococcum) “Phylogeography of Einkorn Landraces in the Mediterranean Basin and Central Europe: Population Structure and Cultivation History.

Hier eine Zusammenfassung ihrer Ergebnisse:

Einkorn (Triticum monococcum L.) was one of the first cereals to be domesticated in the Old World ca. 10,000 years ago and to spread towards Europe and North Africa. Its cultivation declined before the Iron Age and it remains today only as a relic crop in remote areas. To investigate if the geographic distribution of genetic diversity in modern einkorn landrace accessions could be informative about the movement of this crop during prehistory, we genotyped 50 accessions of einkorn from Europe, North Africa and the Near East. Using nuclear and chloroplast microsatellites and clustering methods, we detected two main gene pools in einkorn. The distribution of these lineages revealed differences between accessions from Morocco and the Iberian Peninsula from the rest of Europe and the Near East and suggests different regional dynamics in the spread of this crop.

...

The geographic distribution of the two gene pools within einkorn observed in this study can offer clues about the species’ history. Group A is predominant in Turkey, the Balkans, Iberia and Morocco. The Iberian Peninsula, in particular, only contains accessions from this group (Fig. 5). All the einkorns from Central/North Europe are of the group B type, which is present but not predominant in Greece or the Balkans. It is interesting to observe that, broadly, in the Western Mediterranean regions associated with Impressed/Cardial culture, group A einkorns predominate, whereas in Central/North Europe where the early Neolithic was characterised by the LBK cultures, only group B is present. Group B, however, is the only one present in Italy. This seems at odds with the current hypothesis that einkorn, along with the other early domesticated crops, was introduced into Central and Northern Europe from Greece and the Balkans, via the Danube and Rhine rivers, and suggests that different pathways should be considered. Likewise, when considered by region, the einkorns from Central/Northern Europe were genetically closer to the einkorns from the Central Mediterranean (Italy and France) than to the ones from Southeast Europe (Greece and Balkans).
...

Group A accessions are the only type found in Iberia and the predominant ones in Morocco, suggesting a common history of einkorn on both sides of the Western Mediterranean. The phylogeographic structure observed in maternal lineages corroborates this hypothesis. cp-haplotype 18 is widespread throughout the Mediterranean and Central/North Europe, whereas accessions with cp-haplotype 24 occur only in Iberia and Morocco. The early Neolithic in both regions is characterised by the presence of Cardial pottery and the radiocarbon data suggest that it started more or less simultaneously in the coastal areas of both regions (ca. 5,600–5,200 BC) (Lindstatter 2008).


Despite the low number of accessions analysed in this work, the use of nuclear and chloroplast SSRs has revealed genetic relationships and geographic structure in T. monococcum landrace accessions in the Mediterranean Basin and Europe. Using nuSSRs as genetic markers and clustering methods, two main gene pools were determined within the einkorn accessions under study. Two main chloroplast groups were also detected. The similar cphaplotypes 18 and 19 are distributed all over the geographical range, whereas cp-haplotype 24 occurs only in the Iberian Peninsula and Morocco. Accessions belonging to both groups A and B are found in Morocco alongside admixed populations. Both cp-haplotypes are also detected in this region. The history of einkorn in the Western Mediterranean (Iberia and Northwest Africa) appears to be different from this species’ history in other parts of European and Southwest Asian areas. Phylogeographic studies of einkorn, and other crop species, based on nuclear and chloroplast SSRs opens up the possibility of studying the domestication and dispersal history of farming.

...

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Geographical distribution of population structure in T. monococcum and out-group accessions based on 16 nuclear SSRs as revealed by STRUCTURE in a model assuming three groups (K=3). Each accession is depicted as a pie chart with the PM of its alleles to each one of the three groups: group A (blue), group B (red) and out-group (green). Olivera, H. et al. (2011)


Altertum und Antike


Mit Beginn des Altertums und ab der Römerzeit beginnt auch die geschichtliche Dokumentation zur Iberischen Halbinsel.

Die antike Geschichte der Iberischen Halbinsel lässt sich grob in 5 Abschnitte bzw. Epochen unterteilen:

  1. Römische Herrschaft
  2. Germanischen Invasionen
  3. Islamische Herrschaft
  4. Reconquista
  5. Post-Reconquista.

Die Dokumentationen zur Pflanzen- und Tierwelt sind jedoch zunächst eher spärlich, so dass archaeologische Funde weiterhin eine Hauptquelle zur Systematik der Botanik und Fauna der Iberischen Halbinsel bis in die Neuzeit hinein bleiben. Moritz Willkomm hat in der Einleitung seines Werkes “Grundzüge der Pflanzenverbreitung auf der Iberischen Halbinsel eine gute Übersicht über die Botanische Literatur der Iberischen Halbinsel bis zur Wende zum  IX. Jahrhundert gegeben, die im folgenden wiedergegeben werden soll.

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Ausschnitt aus Willkomm’s Karte zur Vegetation der Iberischen Halbinsel


Die Römische und Germanische Periode



Moritz Willkomm schreibt zu dem bisher geschilderten geschichtlichen Zeitraum vor Beginn der Herrschaft der Araber, der vor allem durch die römische Herrschaft geprägt ist (pp. 1-2):

Obgleich Spanien und Portugal zu den Ländern Europas gehören, deren Geschichte bis in das fernste Altertum hinaufreicht, und welche schon Jahrtausende vor dem Beginn der christlichen Zeitrechnung von civilisierten Völkern (Phönikiern, Griechen, Carthagern) besiedelt und zeitig der Herrschaft der Römer unterworfen worden sind, unter deren Jahrhunderte währender Dauer sie sich einer blühenden Kultur zu erfreuen gehabt haben: so finden wir bei den Schriftstellern des Altertums doch nur spärliche Nachrichten bezüglich der spontanen Vegetation jener Länder während der antiken Zeit. Es ist dies um so mehr zu bedauern, als die ursprüngliche Vegetationsdecke der iberischen Halbinsel vor und während der römischen Zeit sicher eine von der gegenwärtigen sehr verschiedene gewesen sein dürfte. Das gilt ganz besonders von den Waldverhältnissen, welche seit Beginn der historischen Zeit im Laufe der Jahrtausende sich außerordentlich geändert haben müssen. Es sind Wälder verschwunden in Gebirgen, die einst sicher bewaldet waren, andere an Oertlichkeiten entstanden, wo im Altertum und noch später gewiss kein Wald vorhanden gewesen ist, worauf wir an andern Stellen dieses Buches zurückkommen werden. Um so überraschender ist es, dass sich in manchen Gegenden dieselben Pflanzen bis auf die Gegenwart erhalten haben, die dort schon im Altertum vorkamen und, sei es durch ihr auffälliges Ansehen und geselliges Auftreten, sei es durch ihre Nutzbarkeit, das Interesse der Menschen erregten. So werden bekanntlich in der Odyssee Asphodeloswiesen in der Nähe des leucadischen Felsens (Gibraltar's) erwähnt, und noch gegenwärtig erscheint die von dort nicht ferne sumpfige Niederung zwischen Tarifa und Vejer im Frühjahr von Millionen blühender Exemplare des Asphodelus albus L. und A. microcarpus Salzm. et Viv. bedeckt. Und Strabo berichtet, dass zwischen Saguntum (Murviedro) und Setabis (S. Felipe de Jativa) das nutzbare Espartogras (Macrochloa tenacissima Kth., dessen schon Theophrast gedenkt, in Menge wachse, was noch gegenwärtig an mehreren Stellen jenes Landstriches der Fall ist. Aber abgesehen von so auffälligen oder zu irgend welchen Zwecken brauchbaren Gewächsen und von den teils schon durch die Ureinwohner angebauten, teils durch Phönikier, Griechen und Römer eingeführten Kulturpflanzen finden sich bei den Schriftstellern des Altertums keinerlei Nachrichten über die Vegetation der iberischen Halbinsel. Die Stürme der Völkerwanderung, welche die Römerherrschaft zertrümmerten und geraume Zeit über die Halbinsel dahinbrausten und deren Vegetationsdecke gewiss vielfach verändert haben mögen, waren selbstverständlich wie überhaupt jeder wissenschaftlichen Forschung, so auch dem Studium der Pflanzenwelt abträglich. Auch aus der beinahe dreihundert Jahre umfassenden Periode des Westgothenreichs, dessen Sitz Toledo war, ist keine irgend bemerkenswerte Kunde über die Pflanzenwelt Spaniens und Portugals auf uns gekommen.


Die Islamische Periode


Mit der Herrschaft der Araber beginnt eine bessere Dokumentation der Pflanzenwelt der Iberischen Halbinsel.


Moritz Willkomm schreibt (pp. 2-27):

Anders und besser gestaltete sich die botanische Erforschung der Halbinsel infolge der arabischen Invasion. Denn die seit den frühesten Zeiten an die Naturbetrachtung gewöhnten Araber brachten dem Studium der in Spanien und Portugal heimischen Pflanzen ein viel grösseres Interesse entgegen, als die Römer und Gothen. Während der fast achthundertjährigen Dauer der arabischen Herrschaft, insbesondere zu Zeiten des Kalifats von Cordova und des Königreichs Granada, wo die spanischen Araber oder »moros« (Mauren), wie sie die christlichen Spanier nannten, hinsichtlich wissenschaftlicher Bildung und Forschung alle übrigen Nationen Europas übertrafen, haben mehrere ihrer Gelehrten die einheimischen Pflanzen Spaniens zum Gegenstand ihrer Studien gemacht und beschrieben. Unter denselben ragen besonders hervor AVERROES (Abulvalid Mohamed Ben Ahmad Ebn Rosch) aus Cordova († 1225 in Marocco) und Ebn-el-Beithar Abu Mohamed Abdallah Ben Ahmed Djial-eddin) aus Malaga († 1248 in Damascus), deren Schriften teilweise erhalten geblieben sind, während gewiss zahlreiche Werke anderer Forscher, deren Namen zum Teil noch bekannt sind, bei der durch den fanatischen Cardinal Jimenez 1498 anbefohlenen Verbrennung der Bibliothek der Könige von Granada und anderer maurischer Büchersammlungen auf dem Vivarramplaplatz in Granada verloren gegangen sein mögen. Von Ebn-el-Beithar ist es bekannt, dass er Spanien wiederholt bereist hat, um dessen Pflanzenwelt kennen zu lernen. Ein anderer Maure aus Navarra, ALSCHAPHRA (Mohamed Ben Ali Ben Thaser), der die Halbinsel zu gleichem Zweck durchstreift hat, soll sogar Leiter eines botanischen Gartens gewesen sein, den der König (?) Nasr von Guadix neben seinem Palast hatte anlegen lassen). Wie sehr die Kenntnis der spontanen Pflanzen der Halbinsel während der arabischen Herrschaft zugenommen und sich verallgemeinert hatte, beweist die große Zahl arabischer oder aus dem Arabischen stammender Vulgärnamen, mit denen noch heut zu Tage die Spanier und Portugiesen Hunderte von »wild wachsenden« Pflanzen belegen, und nicht nur allgemein verbreitete, sondern auch selten vorkommende. COLMEIRO hat im ersten Teile seines umfangreichen Werkes über die peninsulare Flora (p. LVII ff.) nicht nur alle ihm bekannt gewordenen arabischen Vulgärnamen peninsularer Pflanzen alphabetisch zusammengestellt, sondern auch danach ein systematisches Verzeichnis der zur Zeit der Mauren diesen bekannt gewordenen Pflanzen gegeben, welches 492 Arten umfasst. Aber auch die arabischen Pflanzenkundigen hatten gleich denen des Altertums ihre hauptsächlichste Aufgabe in der Erforschung der Nutzbarkeit oder der »Kräfte« der Pflanzen finden zu müssen gemeint

 

 Die Neuzeit


Eine wirklich botanische, d. h. wissenschaftliche Erforschung der Vegetation der iberischen Halbinsel beginnt erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als der Belgier CHARLES DE L'ECLUSE, genannt Clusius, in den Jahren 1560 und 1564—65 Valencia, Murcia, Andalusien, Estremadura, Portugal und beide Castilien bereiste, um die Flora dieser Länder kennen zu lernen. Die Frucht dieser Reisen war die »Rariorum aliquot stirpium per Hispanias observatarum historia« welche 1576 zu Antwerpen erschien und das erste grundlegende Werk über die Flora Spaniens und Portugals war, welches länger als ein Jahrhundert Allen, die sich mit Pflanzen der iberischen Halbinsel beschäftigt haben oder beschäftigen wollten, als Führer und Muster gedient hat. Weitere Fortschritte machte die botanische Erforschung Spaniens und Portugals während des 17. Jahrhunderts. Auch in dieser Zeit sind es vorzüglich ausländische Botaniker gewesen, welche durch Forschungsreisen in Spanien und Portugal zur Vermehrung der Kenntnis der Flora jener Länder wesentlich beigetragen haben, indem die einheimischen, meist Aerzte, sich, wie schon in den vorhergehenden Jahrhunderten, fast nur mit dem Studium der Medicinalpflanzen abzugeben pflegten. Und zwar erwarben sich das meiste Verdienst die beiden Franzosen JACOB BARRELIER und JOSEF PITTON DE TOURNEFORT. Ersterer. legte die Ergebnisse seiner 1646 durch Valencia, Andalusien, Castilien und Aragonien unternommenen Reise in einem Werke nieder, das neben spanischen Pflanzen auch eine Anzahl französischer und italienischer enthält und dem 334 Kupfertafeln mit ziemlich guten Abbildungen von 1324 Pflanzen beigegeben sind, welches aber erst 1714, d. h. nach des Verfassers Tode, durch ANTOINE DE JUSSIEU veröffentlicht worden ist. Tournefort unternahm zwischen 1681 und 1689 drei Reisen nach der Halbinsel, auf deren erster und zweiter, wo er von dem spanischen Botaniker Jaime Salvador aus Barcelona (geb. 1649, gest. 1740) begleitet war, er nur Catalonien und Valencia durchwandert hat, während ihn die dritte im October 1688 begonnene Reise über Pamplona, Vitoria, Burgos, Urbion, Madrid, Toledo, Ciudad-Real, Cordova und Sevilla bis Cádiz und von da über Gibraltar, Malaga, Guadix, Granada, Baza, Velez-Rubio, Lorca und Totana bis Murcia führte, von wo er über Cuevas, Almeria und Guadix wieder nach Granada zurückkehrte. Später setzte er von da seine Reise westwärts fort, und zwar über Loja, Antequera, Osuna, Puerto de Santa Maria und Sanlúcar de Barrameda bis Ayamonte, wohin er im März 1689 gelangte. Von dort nach Portugal übergetreten, durchkreuzte er dieses Land vollständig, indem er seine Reise von Algarbien durch Alemtejo, Estremadura und Beira bis Minho und Traz os Montes ausdehnte. Das handschriftliche Verzeichnis der zahlreichen auf dieser langen Reise von Tournefort gesammelten oder beobachteten Pflanzen, betitelt: »Denombrement des plantes que i’ay trouvé dans mon voyage d'Espagne et de Portugal entrepris dans le mois d'Octobre de lannée 1688 par l’ordre de Monseigneur de Louvois«, ist ungedruckt und bis auf die neueste Zeit fast unbekannt geblieben. Erst 1890, nachdem Mr. ROUMEGUÈRE in Toulouse ein dort aufgefundenes Exemplar Original oder Copie (?) der Bibliothek des botanischen Gartens zu Coimbra geschenkt hatte, hat dessen gegenwärtiger Director, Professor HENRIQUES im 8. Bande des Boletim da sociedade Broteriana (p. 195 ff.) den die portugiesischen Pflanzen umfassenden Teil dieses Verzeichnisses veröffentlicht und zugleich die darin nach den Oertlichkeiten der Reiseroute angeführten und mit den in der vorlinneischen Zeit üblichen Phrasen charakterisirten Arten auf die jetzige Nomenclatur zurückzuführen versucht, so weit dies möglich war. Demnach hat Tournefort in Portugal 622 Arten gesammelt oder beobachtet, unter denen sich bereits viele befinden, welche erst in viel späterer Zeit, ja neuerdings wieder aufgefunden und als angeblich ganz neue Arten beschrieben worden sind). Außer Barrelier und Tournefort bereiste im 17. Jahrhundert auch der Engländer JACOB GRIESLEY Portugal »per sex ferme lustra«. wie Brotero (Flora lusit. I, p. IV) bemerkt, doch ist dessen zuerst im Jahre 1661 in Lissabon erschienenes »Viridarium lusitanicum« nur ein dürres, alphabetisches Verzeichnis von unter einander gemengten, oft falsch bestimmten spontanen und Kulturpflanzen 'quas ager Ulyssiponnensis ultra citraque Tagum ad trigesimum usque lapidem profert) von sehr geringem Werte. Dank diesen verschiedenen Forschungsreisen mögen mit Einschluss der schon früher zur Kenntnis gelangten Pflanzen am Ende des 17. Jahrhunderts, wie Colmeiro meint, schon gegen 2200 Arten aus Spanien und Portugal bekannt gewesen sein.
Während des 18. Jahrhunderts begannen auch die einheimischen Botaniker, besonders in Spanien, sich mehr als bisher mit dem Studium der Pflanzen ihres Vaterlandes zu beschäftigen; ja in der zweiten Hälfte und gegen Ende dieses Zeitraumes sind sie es vorzugsweise gewesen, welche die Kenntnis der Flora der Halbinsel wesentlich gefördert haben. Zunächst erschienen jedoch auf spanischem Boden wieder zwei französische Forscher, nämlich die Brüder BERNARD und ANTOINE DE JUSSIEU. Beide bereisten im Auftrage der französischen Regierung vom October 1716 bis Februar 1717 Spanien und Portugal, namentlich zu dem Zwecke, um die von Barrelier, Clusius und Tournefort beschriebenen Pflanzen aufzusuchen. Da JUAN SALVADOR aus Barcelona, der Sohn des schon erwähnten Jaime S., an der Expedition der französischen Botaniker teilnehmcn durfte, so gelang es diesem, fast alle auf dieser Reise gesammelten Pflanzen zu erwerben und sie dem schon bedeutenden Herbar seines Vaters einzuverleiben. Dieses noch gegenwärtig in Barcelona aufbewahrte Herbar ist, da es gegen 2000 spanische und portugiesische Pflanzen enthält, eine Quelle für die Flora der iberischen Halbinsel geworden, wie es überhaupt das erste in Spanien angelegte Herbar von wissenschaftlichem Werte war. Noch sei bemerkt, dass Jaime S., der bedeutendste und namhafteste Botaniker Spaniens in jener Zeit, zu S. Juan d'Espi bei Barcelona einen botanischen Garten angelegt hat, welcher leider bald wieder eingegangen ist. Sein 1683 geborener Sohn, der schon 1726 starb, besuchte noch vor der Expedition der beiden Jussieu, nämlich in den Jahren 1711 und 1712 auch die Balearen, woselbst er eine Menge Pflanzen sammelte. Im Jahre 1751 kam der Schwede PETER LÖFLING im Auftrage seines großen Lehrmeisters LINNÉ nach Spanien, um dessen Flora zu erforschen. In Oporto ans Land gestiegen, reiste derselbe von da nach Lissabon, von wo er sich im Herbst nach Madrid begab. Hier verweilte er volle zwei Jahre, die er zu zahlreichen Excursionen in die Umgebungen dieser Stadt benutzte, auf denen er ca. 1400 Arten sammelte. Er genoss dabei die Unterstützung der dortigen heimischen Botaniker JOSÉ ORTEGA, QUER, MINUART, VELEZ und des älteren BARNADES. Im Herbst des Jahres 1753 reiste L. nach Cädiz, um sich dort als Botaniker einer wissenschaftlichen, von der spanischen Regierung ausgerüsteten Expedition nach Südamerika anzuschließen, woselbst er bekanntlich bald dem Fieber erlag. Bis zu seiner Mitte Februar 1754 erfolgten Abreise von Cádiz durchforschte er die Umgebungen der Bai dieser Stadt, wo schon drei Jahre früher ein anderer Schüler Linne's, OSBECK, botanisirt hatte, bevor dieser seine Forschungsreise nach China und Ostindien antrat.
Unterdessen hatten aber auch mehrere spanische Botaniker für die Erforschung der vaterländischen Flora thätig zu sein angefangen. Unter denselben ist besonders JOSÉ QUER (geb. in Perpignan 1695, gest. 1764 in Madrid) als der Verfasser der ersten Flora von Spanien (s. Literatur) hervorzuheben.
Leider ist dieses von Quer unvollendet gebliebene und von GOMEZ Ortega fortgesetzte und vollendete Werk, welches die Beschreibung von nur etwa 2050 Pflanzen enthält, wenig brauchbar, da darin die Gattungen (Phanerogamen und Kryptogamen durch einander gemengt) in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt und die Arten nach Tournefort, Barrelier und anderen vorlinnéischen Autoren benannt sind. Einen weit größeren Wert als dieses voluminöse, weitschweifig geschriebene Werk besitzen die wenig umfangreichen Schriften des Saragossaners IGNACIO ASSO (geb. 1742, gest. 1814), welche die Grundlage der Flora von Aragonien bilden, indem die von deren Verfasser auf seinen Forschungsreisen durch Aragonien beobachteten Pflanzen nicht nur nach dem linnéischen System angeordnet, sondern auch in linnéischer Weise benannt und charakterisiert sind. Zu derselben Zeit wirkten in Madrid als Professoren am dortigen botanischen Garten CASIMIR GOMEZ ORTEGA geb. zu Añover de Tajo 1740, gest. in Madrid 1818, und ANTONIO JOSÉ CAVANILLES (geb. in Valencia 1745, gest. in Madrid 1804), von denen der letztere sich nicht nur um die Erforschung der vaterländischen Flora, sondern um die gesamte systematische Botanik unsterbliche Verdienste erworben hat, wie er überhaupt der bedeutendste spanische Botaniker des 18. Jahrhunderts gewesen ist. Seine Beschreibung des Königreichs Valencia, welches er nach allen Richtungen durchwandert und durchstreift hatte, war für die damalige Zeit ein Meisterwerk der Topographie und ist zugleich eines der ersten, welches Vegetationsschilderungen enthält). Die Beschreibungen der von ihm in Valencia sowie in den Umgebungen von Madrid und Aranjuez und anderwärts gefundenen Pflanzen, der Mehrzahl nach bis dahin unbekannt gebliebener Arten, sind vorzugsweise im 2. Bande seines großen iconographischen Werkes »Icones et descriptiones plantarum« veröffentlicht, mit dem er sich ein unvergängliches Denkmal in der Literatur der systematischen Botanik gesetzt hat. Sein erhalten gebliebenes Herbar bildet vielleicht den wertvollsten Teil des Herbariums des königl. botanischen Museums im Madrider Garten. Bei weitem geringer sind die Verdienste Ortega's um die Flora Spaniens, indem dessen beiden hauptsächlisten Werke (sein »Florae hispanicae neglectus« und seine »Decades«) meist exotische und nur wenige spanische Pflanzen enthalten und er selbst nur das Gebiet von Madrid und Aranjuez und einen Teil des Guadarramagebirges sowie die Gegend der Bäder von Trillo durchforscht hat. Unbestreitbar aber sind die Verdienste, die sich Ortega als erster Director des 1781 gegründeten Madrider Gartens (bis dahin befand sich der botanische Garten zu Migas-Calientes unweit der Hauptstadt) um diesen erworben hat. Als zweiter Professor der Botanik wirkte seit 1773 an Ortega's Seite ANTONIO PALAU († 1793), welcher vorher seine Heimatprovinz Catalonien und die Umgebungen von Madrid durchwandert und dort Pflanzen gesammelt hatte, deren Fundorte und Vulgärnamen er in seiner Uebersetzung von Linne's Species plantarum (Madrid, 1784—88) den betreffenden Pflanzenarten beifügte. Als in Pamplona ein botanischer Garten gegründet werden sollte, wurde der in Spanien naturalisierte Franzose LOUIS NÉE, ein tüchtiger Pflanzenkenner und unermüdlicher Sammler, im Jahre 1784 mit dessen Anlage betraut. Dieses Project ist nicht zur Ausführung gekommen; wohl aber hat Née zwei Jahre lang (1785—86) in Navarra, um Santander, in Asturien und Galicien botanisirt und 1200 Pflanzenarten gesammelt, deren wichtigste er, gleich den von ihm in den Jahren 1780—82 in Andalusien gesammelten, an den botanischen Garten in Madrid sandte. Später zum Begleiter des Weltumseglers Malaspina ernannt, verließ Nee 1789 Spanien von Cádiz aus, doch nicht ohne vor seiner Einschiffung die Umgebungen von Algesiras und Gibraltar durchforscht zu haben. — Gegen Ende des Jahrhunderts bereiste der Abbé POURRET, ein französischer Emigrant und erfahrener Botaniker, welcher gastliche Aufnahme in Spanien gefunden, einzelne Teile dieses Landes (Catalonien, Galicien u. a.), wo er viele Pflanzen gesammelt hat. Er gedachte ein »Compendio de la Flora española« als Supplement zu Quer's Flora herauszugeben, hat aber nur ein Manuscript hinterlassen, das von LA PEYROUSE, der es unter dem Titel »Chloris hispanica« citirt, bei der Abfassung des Supplements zu seiner Pyrenäenflora benutzt worden ist, aber verloren gegangen zu sein scheint. Pourret starb 1818 in Santiago de Compostela. Die von ihm gesammelten Pflanzen sind in den Besitz der pharmaceutischen Facultät der Madrider Universität gekommen. In den Jahren 1798 und 1799 sammelte auch der dänische Botaniker SCHOUSBOE auf einer Reise von Spanien nach Marocco viele Pflanzen, welche in Kopenhagen aufbewahrt werden und unter denen sich manche neue Art befand.
In Portugal geschah auch während des 18. Jahrhunderts bis gegen dessen Ende wenig für die Erforschung der einheimischen Flora. Erst in der zweiten Hälfte beschäftigte sich mit derselben einigermaßen der Italiener DOMINGO VANDELLI, Professor der Botanik an der Universität zu Coimbra, welcher Excursionen im Süden der Provinz Beira und im portugiesischen Estremadura gemacht hatte; doch sind seine Schriften, soweit sie die Flora von Portugal betreffen (s. die Literatur), nur von geringem Werte. — Im Ganzen mögen am Schlusse des 18. Jahrhunderts, wie COLMEIRO versichert, gegen 4200 Pflanzenarten (worunter etwa 320 Kryptogamen) aus Spanien und Portugal bekannt gewesen sein, also beinahe noch einmal so viele als am Schlüsse des 17. Jahrhunderts; aber für die pflanzengeographische Erforschung der Halbinsel war auch in diesem Jahrhundert noch so viel wie nichts geschehen.
Das 19. Jahrhundert begann für die botanische Landeskunde der Halbinsel unter günstigen Auspicien. Stand doch Cavanilles, dem sein Gegner Ortega 1801 in der Direction des botanischen Gartens hatte weichen müssen, noch immer als eifriger Forscher an der Spitze der spanischen Botaniker, und war in Portugal FELIX AVELLAR BROTERO (geb. zu S. Antonio de Tojal bei Lissabon 1744, gest. 1828 in Lissabon) 1791 als Professor und Director des botanischen Gartens zu Coimbra auf Vandelli gefolgt. Leider starb Cavanilles schon 1804, doch hatte er noch vor seinem Tode seine »Descripcion de las plantas demostradas en las Iecciones públicas« veröffentlicht, worin neben vielen neuen exotischen auch mehrere neue spanische Arten beschrieben sind. Ihm folgte, zunächst im Lehramt (als Vice-Professor am botanischen Garten) sein begabtester und geliebtester Schüler, MARIANO LA GASCA (geb. 1776 zu Encinacorva in Aragonien, gest. 1839 in Barcelona), der Großes geleistet haben würde, hätte ihn nicht ein entsetzliches Unglück betroffen. Schon als Student der Universität Valencia, wo er Medicin studierte (1796—1800), bereiste La Gasca Teile von Valencia, Neucastilien und Andalusien, um Pflanzen zu sammeln, später (1803), als er von der Regierung den Auftrag erhalten hatte, die Halbinsel zu durchforschen, um weiteres Material für die Bearbeitung einer Flora von Spanien herbeizuschaffen, Leon und Asturien, während sein Altersgenosse DEMETRIO RODRIGUEZ, ebenfalls ein Schüler von Cavanilles, die südliehen Provinzen durchforschen sollte. Bald nach Cavanilles' Tode zum Vice-Professor am botanischen Garten, dessen Director damals Zea ein amerikanischer Spanier war, und 1807 zum wirklichen Professor der medicinischen Botanik ernannt, verließ La Gasca beim Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges der Spanier gegen Napoleon als guter Patriot Madrid, um als Arzt in das spanische Heer einzutreten, das er auf allen Zügen begleitete, wobei er keine günstige Gelegenheit, um Pflanzen zu sammeln, unbenutzt vorbeigehen ließ. So brachte er eine große Menge spanischer Pflanzen nach Beendigung des Krieges nach Madrid zurück, wo er 1813 die Direction des botanischen Gartens erhielt, die er bis 1823 mit großem Erfolg verwaltete. Die Contrarevolution dieses Jahres zu Gunsten des Absolutismus veranlasste ihn als begeisterten Anhänger der Constitution Madrid zu verlassen und mit der constitutionellen Regierung nach Cádiz zu gehen, von wo er sich nach England begeben wollte. Auf dieser Reise wurden ihm in Sevilla von dem aufgehetzten Pöbel alle seine Sammlungen und Manuscripte, die er mitgenommen hatte, geraubt und vernichtet, und so sein Lieblingsplan und seine Lebensaufgabe, eine Flora von Spanien herauszugeben, grausam vereitelt. Denn obwohl La Gasca nach einem zehnjährigen Exil in England nach Spanien zurückkehren und seine Professur sowie die Direction des Madrider Gartens wieder übernehmen durfte, und obwohl er die Sammlung eines neuen Herbars spanischer Pflanzen, wo er nur immer dazu Gelegenheit fand (so noch kurz vor seinem Tode in Catalonien) anstrebte, so genügte dieses doch nicht für die Bearbeitung einer Flora von Spanien. Auch war seine Gesundheit schon zu sehr geschwächt, als dass er sich einer so mühevollen Arbeit noch hätte unterziehen können. Obwohl La Gasca nur Schriften von geringem Umfang veröffentlicht hat, so sind dieselben doch von hohem Wert für die Kenntnis der spanischen Flora, indem sie die Beschreibung einer Menge bis dahin unbekannter, teils von ihm selbst, teils von seinen Freunden und Correspondenten POZO, RODRIGUEZ, CLEMENTE, CABRERA, HAENSELER u. a. aufgefundene Pflanzen enthalten.
Ein ähnliches Missgeschick wie La Gasca hat seinen Freund SIMON DE ROJAS CLEMENTE (geb. zu Titaguas in Valencia 1777, gest. in Madrid 1827; betroffen. Auch er war ein Schüler von Cavanilles und ein hervorragender Botaniker jener Zeit und zugleich ein eifriger Erforscher der heimischen Flora. Im Verein mit La Gasca widmete er sich zunächst dem Studium der Kryptogamen im Gebiet von Madrid und im Guadarramagebirge. Nachdem er sich eine Zeit lang in Paris und London aufgehalten hatte, bereiste er zunächst Andalusien und zwar als Maure verkleidet unter dem Namen Mohamed Ben Ali, unter welchem er den Catalonier DOMINGO BADIA auf dessen Reise nach Marocco hatte begleiten sollen, denn Clemente, der ursprünglich zum Theologen bestimmt gewesen, hatte sich als solcher dem Studium der orientalischen Sprachen gewidmet und sich die Kenntnis des Arabischen vollständig angeeignet. Er wurde in Andalusien vom Volk, das ihn für einen wirklichen Mauren hielt, »el moro sábio« (der gelehrte Maure) genannt. Im Jahre 1804 durchforschte Clemente, diesmal in europäischer Tracht, das Königreich Granada, überdessen Naturgeschichte ein Werk herauszugeben er sich vorgenommen hatte. Leider ging der größte Teil seiner Sammhmgen und Aufzeichnungen, nämlich die in der Serrania de Ronda und die in den Jahren 1807—1809 im Königreich Sevilla gesammelten Pflanzen und Notizen bei der Invasion Sevillas durch die Franzosen im Jahre 1810 verloren. Später widmete sich Clemente, welcher seit 1815 die Stelle eines Bibliothekars am botanischen Garten zu Madrid bekleidete, ausschließlich dem Studium der Kulturpflanzen Spaniens, mit denen er sich schon früher eingehend beschäftigt hatte, wie sein 1807 erschienenes Meisterwerk über die Varietäten des Weinstockes in Andalusien beweist. Diesem sind drei Listen von in den Strandgegenden der Provinz von Cadiz gesammelten Gewächsen beigefügt, von denen die beiden ersten nur Flechten und Algen enthalten, das Einzige, was demente selbst über die spontane
Vegetation Andalusiens veröffentlicht hat. Ein Verzeichnis von Phanerogamen des Gebiets seiner Vaterstadt Titaguas ist später von COLMEIRO herausgegeben worden, welcher auch die im Museum des Madrider Gartens befindlichen Reste von Clemente's Herbar sowie dessen zahlreiche dort ebenfalls aufbewahrten handschriftlichen Aufzeichnungen bei der Bearbeitung seiner »Enumeracacion de las plantas de la peninsula« ausgiebig benutzt hat.
Nach dem Tode La Gasca's erhielt sein schon erwähnter Genosse RODRlGUEZ (geb. zu Sevilla 1780, gest. in Madrid 1846) die Professur der Botanik am Madrider Garten, die er während La Gasca's Exil bereits suppliert hatte, und wurde gleichzeitig zum Director jenes Instituts ernannt. Die von ihm auf der schon erwähnten Reise in Andalusien gesammelten Pflanzen sind dem Herbarium des Museums einverleibt, einige von ihm entdeckte neue Arten von La Gasca beschrieben worden. Er selbst hat nichts veröffentlicht. Mehr Verdienste um die vaterländische Flora erwarben sich die Brüder ESTEBAN und Claudio BOUTELOU, beide in Aranjuez geboren, der erstere 1774, der letztere 1776. Beide widmeten sich vorzugsweise der Landeskultur, weshalb sie mehrere Jahre im Auslande verweilten, beschäftigten sich aber aus Liebhaberei auch mit den spontanen Pflanzen ihres Vaterlandes. So brachten sie ein bedeutendes Herbar zusammen, welches eine wichtige Quelle für die Flora Spaniens bildet. Leider ist dieses Herbar, welches Verfasser dieses Buches während seines Aufenthaltes in Sevilla selbst durchgesehen hat, gegenwärtig in drei Teile zerrissen, von denen der eine sich im Besitz der Universität von Sevilla, der zweite in dem der spanischen Forstschule im Escorial, der dritte in dem der Familie B. in Sevilla befindet. Esteban B. († 1813 als Professor der Agricultur in Madrid) hat außer über Kulturpflanzen auch über die Pinusarten der Sierra de Cuenca geschrieben, Claudio aber († 1842), welcher von 1799—1814 Obergärtner des botanischen Garten zu Madrid gewesen und nach Cavanilles' Tode zu dessen Subdirector und zweitem Professor der Botanik ernannt worden ist, 1816 aber Madrid verlassen hat, um sich ganz der Bodenkultur zu widmen, nur Abhandlungen über diese veröffentlicht. Zu erwähnen sind aus jener Zeit noch RAFAEL MARIANO LEON, welcher Südost- und Westspanien und die Sierra Morena bereiste und eine Menge Pflanzen sammelte, deren Standörter FERNANDEZ DE GREGORIO in seinem »Diccionario elemental de Farmacia« (Madrid 1803) veröffentlicht hat; Salcedo, welcher in den Jahren 1803—1806 in den Gebirgen von Santander botanisirte, der Augustinermönch MUÑOZ in Cordova, Correspondent von La Gasca, welcher die Sierra de Cordova und Sierra de Segura botanisch durchforscht hat, PEDRO GUTIERREZ in Puerto de Santa Maria, welcher im Gebiet dieser Stadt Pflanzen gesammelt hat, HEREDIA, Apotheker daselbst, welcher die Algen der Bai von Cádiz studiert hat, und der Canonicus CABRERA in Cadiz, der sich ebenfalls vorzugsweise mit dem Studium der Algen beschäftigte und deshalb mit AGARDH in engem Verkehr gestanden hat. Dieser hat aber auch ein nicht unwichtiges Phanerogamenherbar hinterlassen, welches später in den Besitz des noch lebenden Apothekers und Professors der Naturgeschichte zu Cádiz JUAN CHAPE gekommen ist.
In Portugal begann mit BROTERO eine neue Aera für die botanische Durchforschung dieses Landes. Schon vor seiner Ernennung zum Director des Garten von Coimbra, den er neu organisierte, hatte er fast ganz Portugal bereist, um die Flora seines Vaterlandes kennen zu lernen. Dies ermöglichte ihm die Herausgabe seiner Flora Lusitanica (erschienen 1804), die zum grundlegenden Werk für alle späteren floristischen Arbeiten über Portugal geworden ist, und zu welcher sein 1816—1827 unter dem Titel Phytographia Lusitaniae selectior veröffentlichtes Kupferwerk eine sehr wichtige Ergänzung bildet. Im Jahre 1811 gab Brotero seine Stellung in Coimbra auf, um die Direction des botanischen Gartens »da Ajuda« in Lissabon und die des Kabinets der Naturgeschichte daselbst zu übernehmen. Im Museum jenes Gartens wird auch sein Herbar aufbewahrt. Während Brotero noch mit der Bearbeitung seiner Flora beschäftigt war, welche ca. 1900 Arten, worunter 275 Kryptogamen, enthält, kamen der Graf V. HOFFMANNSEGG aus Dresden und der Dr. H. FR. LINK, damals Professor der Botanik in Rostock, nach Portugal, um dieses Land botanisch zu durchforschen. Sie verweilten dort drei Jahre (von 1797 bis 1799, Link nur die beiden ersten) und bereisten fast ganz Portugal. Die Frucht dieser Forschungsreise, auf welcher sie 1532 Phanerogamen und 572 Kryptogamen gesammelt haben, war das leider unvollendet gebliebene, auf Kosten des Grafen herausgegebene Prachtwerk der »Flore portugaise«.
Seit den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts wurde auch Spanien wieder von ausländischen Botanikern besucht. Zunächst waren es französische der Botanik beflissene Militärärzte und Offiziere, welche während des Unabhängigkeitskrieges bei den Zügen der französischen Heercolonnen hier und da Pflanzen sammelten unci manche neue Art auffanden. Unter ihnen haben besonders LÉON DUFOUR und BORY DE ST. VINCENT die Kenntnis der Pflanzen Spaniens gefördert; letzterem, der 1812 eine Recognoscirungstour nach dem Picacho de Veleta unternommen hatte, verdanken wir auch schätzenswerte Landschaftsschilderungen aus Andalusien und anderen Gegenden Spaniens, die sich in seinem »Guide du voyageur en Espagne« (Paris, 1823) eingefügt finden. Der deutsche Botaniker SALZMANN unternahm eine Reise nach Südspanien und Marocco, über die er später (1825) in der Regensburger »Flora« Bericht erstattete, der Engländer GEORGE BENTHAM eine solche in die Pyrenäen, die sich auch in das spanische Gebiet dieser Gebirgskette erstreckte und deren Ergebnisse, welche eine wertvolle Ergänzung zu der 1813 erschienenen Pyrenäenflora des Baron PICOT DE LA PEYROUSE und zu deren 1818 erschienenem Supplement bilden, er 1826 in Paris zur Kenntnis gebracht hat. Wie früher die Militärärzte FAUCHÉ und PICARD, so sammelten auch später der französische Zoologe RAMBUR in Andalusien und der Graf REYNEVAL in Neucastilien gelegentlich Pflanzen, unter denen sich einige neue Arten befanden. Wichtiger für die Bereicherung der spanischen Flora waren die Reisen des französischen Capitäns DURIEU DE MAISONNEUVE und des Engländers PHILIPP BARKER WEBB. Ersterer durchforschte Asturien im Jahre 1835, letzterer vom Frühling 1826 bis zum Mai 1828 die mediterranen Küstengegenden der Halbinsel vom Fuße der Pyrenäen bis zur Mündung des Guadalquivir, sowie den Küstenstreif Portugals von Braga bis zur Serra d'Arrabida und zwei Jahre später bei seiner Rückkehr von den canarischen Inseln auch noch die Umgebungen von Gibraltar. Durieu sammelte etwa 500 Arten Gefäßpflanzen, worunter nicht wenige neue Arten, welche später von J. GAY in den »Annales des sciences naturelles« beschrieben worden sind, während Webb die von ihm entdeckten neuen Arten teils in seinem »Iter hispaniense« (1838), teils in seinem Prachtwerke »Otia hispanica« (1839 und 1853) veröffentlicht hat. Die epochemachendste botanische Expedition jener Zeit war aber die von dem Genfer Botaniker EDMOND BOISSIER im Jahre 1837 nach Südspanien unternommene Reise, durch deren Ergebnisse die botanische Welt zuerst mit dem staunenswerten Reichtum des Königreichs Granada, wo der Reisende am längsten verweilte, an endemischen, der Mehrzahl nach bis dahin unbekannt gebliebenen Arten aufmerksam gemacht wurde. Boissier's berühmte »Voyage botanique dans le midi de L’Espagne« welche die Aufzählung aller im ehemaligen Königreich von Granada beobachteten Pflanzen (2036 Arten, worunter 142 Kryptogamen) unter dem Titel »Flore de Grenade« enthält, ist zugleich dadurch bahnbrechend geworden, dass ihr der Verfasser auch eine pflanzengeographische Schilderung jenes Landes in Humbold’s Sinne beigegeben hat, die erste derartige Studie, die über die Vegetation der Halbinsel veröffentlicht worden ist. Eine nicht unwesentliche Bereicherung seiner Flora von Granada verdankt Boissier den beiden in Malaga lebenden Apothekern FELIX HAENSELER, einem dort naturalisirten Deutschen († 1841), und PABLO PROLONGO, welche ihm ihre Herbarien und Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt hatten. Der letztgenannte, damals erst ein junger Mann, der auch dem Verfasser dieses Buches bei dessen wiederholtem Aufenthalt in Malaga die Benutzung seiner Pflanzensammlung und Bibliothek in liberalster Weise gestattete, hat auch noch später, bis zu seinem 1880 erfolgten Tode, den spontanen wie den Kulturgewächsen seiner Heimatprovinz ein lebhaftes Interesse bewahrt. Boissier's Freund REUTER bereiste 1841 Neucastilien, wo er 'namentlich im Guadarramagebirge viele neue Arten aufgefunden hat, die später von ihm und Boissier gemeinschaftlich veröffentlicht worden sind. Drei Jahre später, im April 1844, trat Schreiber dieses seine erste Forschungsreise nach Spanien an, welche ursprünglich nur für ein Jahr berechnet, dank der liberalen Unterstützung des Barons RUDOLF BENNO V. ROEMER in Dresden, volle zwei Jahre dauerte. WILLKOMM sammelte auf dieser Reise, welche ihn nach Catalonien, Valencia, Neucastilien, Andalusien (wo er zwanzig Monate verweilte) und Algarbien führte, über 2000 Pflanzenarten (worunter etwa 160 Kryptogamen). Die von ihm entdeckten neuen Arten (etwa 50) sind teils von dem Professor G. KUNZE in Leipzig, der während des ersten Jahres der Dirigent des Reisenden war, teils von diesem selbst, in verschiedenen Abhandlungen beschrieben worden. Außer diesen hatte W. eine beträchtliche Anzahl von Arten zuerst gefunden, welche später von BOURGEAU wieder gesammelt und von COSSON als neu erkannt und beschrieben worden sind. Im Jahre 1846 veröffentlichte der englische Garnisonsarzt KELAART seine »Flora calpensis« welche nicht allein eine systematische Aufzählung aller bis dahin auf und um den Gibraltarfelsen bekannt gewordenen Gefäßpflanzen, sondern auch solcher aus den Umgebungen der Gibraltarbai sowie eine Schilderung der Vegetation jenes ganzen Gebiets enthält, wobei der Verfasser auch frühere von Andern gemachte Beobachtungen (so von SCHOTT, SPIX und MARTIUS, welche auf ihrer Reise nach Amerika vorübergehend um Gibraltar botanisirt hatten, und die Willkomm's) benutzt hat. Angeregt durch Willkomm's in der Halleschen botanischen Zeitung veröffentlichten Schilderungen seiner Excursionen begab sich der Bamberger Arzt MICHAEL FUNK 1848 nach Spanien, um dort floristische Studien zu machen. Auch er brachte von seiner Reise, auf welcher er namentlich Granada und Teile von Murcia und NeucastiHen durchstreifte, eine reiche Sammlung von Pflanzen mit, die manches Neue enthielt. Im folgenden Jahre kam Boissier in Begleitung Reuter's auf seiner Reise nach Algerien zum zweiten Male nach Spanien, in dessen Süden beide neue Entdeckungen machten, welche sie in ihrem »Pugillus plantarum« (1852) veröffentlicht haben. In der Absicht, seine früheren Beobachtungen zu ergänzen, unternahm Willkomm, der sich schon damals mit dem Plan trug, eine Flora von Spanien herauszugeben, im April 1850 eine zweite Reise nach der Halbinsel, welche wieder auf zwei Jahre berechnet war und sich auch über Portugal und die Balearen ausdehnen sollte. Leider zwang den Reisenden der durch die Wortbrüchigkeit mehrerer seiner Subscribenten herbeigeführte Mangel an Geldmitteln, sein Unternehmen bereits nach neun Monaten aufzugeben und nach Deutschland zurückzukehren. Er hat auf dieser Reise, welche ihn durch die baskischen Provinzen, Navarra, Hoch-, Nieder- und Südaragonien nach Valencia und von da durch die Provinz von Cuenca nach Madrid führte, wo er längere Zeit verweilte, um die Herbarien des königl. Gartens durchzusehen, und von wo aus er Excursionen in das Guadarramagebirge, das Gebiet von Madrid und in die Provinz von Guadalajara sowie noch im Oktober eine mehrwöchentliche Reise durch die Provinzen von Toledo, Cäceres, Salamanca und Avila machte, 1188 Arten (worunter 75 Kryptogamen und etwa 30 neue Arten) gesammelt und außer der Vegetation auch die geologischen Verhältnisse der von ihm durchwanderten Gegenden eingehenden Untersuchungen unterworfen und hypsometrische Beobachtungen angestellt. Eine wesentliche Ergänzung fand das kaum zur Hälfte geglückte Unternehmen Willkomm's durch die in den Jahren 1851—52 ausgeführte Reise des dänischen Botanikers JOHANN LANGE, indem dieser längere Zeit im Nordwesten Spaniens, wohin Wk. nicht hatte gelangen können, in Galicien und Leon, verweilte. Doch hat derselbe auch beide Castilien, Andalusien und die MittElmeerprovinzen durchwandert. Eine Frucht dieser Reise war sein, erst zehn Jahre später erschienener »Pugillus plantarum« welcher 2913 Arten (worunter allerdings auch zahlreiche aus den französischen Pyrenäen, die er ebenfalls besucht hatte) enthält. In den Jahren 1853 und 1854 bereiste der Baseler Arzt ALIOTH, um Pflanzen zu sammeln, die Sierra Nevada und die Pyrenäen. Letztere hatte schon Jahre zuvor der italienische Botaniker PlETRO BUBANI zum Gegenstand eingehender Forschung gemacht, doch über seine sehr geheim gehaltenen Ergebnisse wenig veröffentlicht. Dagegen gab der schwedische Botaniker JOHANN ZETTERSTEDT, welcher dieses Hochgebirge ebenfalls durchwandert hatte, im Jahre 1857 ein Verzeichnis der von ihm dort gesammelten und beobachteten Pflanzen heraus. Auch Nichtbotaniker des Auslandes erweiterten in jener Zeit die Kenntnis der Flora Spaniens, indem sie auf ihren Reisen in diesem Lande nebenbei auch Pflanzen sammelten, so der Malakozoolog ROSSMAESSLER aus Sachsen, welcher 1853 die Mediterranprovinzen, insbesondere die Provinzen von Alicante, Murcia, Almeria und Granada (mit Ausnahme der Sierra Nevada) durchwanderte, der Entomolog SCHAUFUSS aus Dresden, der 1860 Nordspanien, insbesondere die Gebirge der Provinz von Santander besuchte, und der Lepidopterolog STAUDINGER aus Dresden, welcher 1857 und 1858 Südspanien bereiste und sich namentlich in Granada längere Zeit aufhielt. Aber die größte Bereicherung an neuen Pflanzenformen und neuen Standörtern erhielt die spanische Flora damals durch den überaus fleißigen Sammler E. BOURGEAU, einen Schweizer, welcher, nachdem er schon 1847 einen Teil der Pyrenäen durchwandert hatte, von 184g bis 1853 im Auftrage und unter der Leitung der französischen Botanischen Gesellschaft Reisen in verschiedene Landstriche der Halbinsel (nach Granada, Murcia, Neucastilien, Asturien, Leon, Algarbien) unternahm und große Sammlungen prächtig präparirter Pflanzen (über 2500 Arten) zusammenbrachte. Die darunter befindlichen neuen Arten und Varietäten sind von J. GAY und E. COSSON in verschiedenen Abhandlungen beschrieben worden.
Unterdessen waren aber auch die einheimischen Botaniker in Spanien nicht unthätig geblieben. Der Catalonier FRANCISCO JAVIER BOLÓS, Apotheker in Olot († 1844), bereiste die Provinz von Gerona und sammelte dort ein wertvolles Herbar, welches später VAYREDA benutzt hat. Der Asturianer EDUARDO CARREÑO, ein sehr begabter und überaus strebsamer junger Mann, welcher vielleicht den Herzenswunsch seines Lehrers La Gasca, eine Flora von Spanien zu bearbeiten, verwirklicht haben würde, hätte ihn nicht ein frühzeitiger Tod (1841) dahingerafft, durchforschte in den Jahren 1834, 1837 und 1838 seine Heimatprovinz und sammelte dort wie auch anderwärts in Spanien eine Menge Pflanzen, die er seinem Lehrer und Berather, dem Zoologen MARIANO DE LA PAZ GRAELLS (später Director des königl. Museums der Naturgeschichte in Madrid vermacht hat. Dieser hat selbst eine Anzahl interessanter und auch neuer Pflanzenarten in den Provinzen von Madrid und Avila entdeckt und in wertvollen Schriften (1854 und 1859) veröffentlicht. Der Valencianer ANTONIO BLANCO sammelte 1841 und 1849 zahlreiche Pflanzen, worunter manche neue, in der Provinz von Jaen, welche durch Webb und V. Heldreich bestimmt und veröffentlicht worden sind. MIGUEL COLMEIRO, der gegenwärtige Director des königl. botanischen Gartens und Museums zu Madrid, der sich durch seine bio- und bibliographischen Arbeiten über die Botaniker und die botanische Literatur der iberischen Halbinsel und als unermüdlicher und gelehrter Compilator einen großen Ruf erworben hat, veröffentlichte von 1846 bis 1858 eine Anzahl Pflanzenverzeichnisse aus Catalonien, den beiden Castilien und Galicien, verbunden mit Schilderungen der Vegetationsverhältnisse von Catalonien und Galicien, sowie ein Verzeichnis der an den Küsten der Provinz von Cädiz vorkommenden Algen, doch enthalten alle diese Listen keine einzige neue Art, weshalb sie wohl weniger die Frucht eigener Forschungen als der Compilation sind, JOSÉ PLANELLAS GIRALT, Professor der Botanik an der Universität von Santiago de Compostela, gab 1852 eine Phanerogamenflora von Galicien heraus, der als Einleitung auch eine Beschreibung der Vegetationsverhältnisse dieses Landes beigegeben ist.
Doch scheint auch dieses die Flora Galiciens nur in höchst unvollständiger Weise darstellende Werk mehr auf Compilation und schon vorhanden gewesenen Schriften als auf eigenen Forschungen zu beruhen, da es nur sehr wenig neue (und zwar zweifelhafte) Arten und fast keine einzige der vielen von Lange in Galicien gefundenen Pflanzen enthält. Bei weitem größere Verdienste um die Flora Spaniens hat sich VICENTE CUTANDA erworben, der 1846 auf RODRIGUEZ, dessen Schüler er gewesen, als Director des Madrider Gartens gefolgt war. Er ließ es sich angelegen sein, teils allein, teils in Begleitung des Sammlers JUAN ISERN, der seinerseits auch in Catalonien und anderwärts botanisirt hatte, und später seines Adjuncten FRANCISCO ALEA die Provinzen von Madrid, Segovia und Avila, insbesondere die Hochgebirge von Guadarrama und Gredos zu durchforschen, wo er manche neue und seltene Pflanzenart entdeckt hat. Auf einer solchen Excursion, im September 1850, hat ihn auch der Verfasser dieses Buches begleitet, dem Cutanda bis zu seinem 1868 erfolgten Tode ein treuer Freund und eifriger Förderer seiner Studien über die spanische Flora geblieben ist. Als Mitglied der botanischen Section, der 1852 (?) eingesetzten »comision para formar el mapa geológico de la provincia de Madrid« fand er zu ferneren Excursionen Veranlassung, deren Ergebnisse er in den Commissionsberichten der Jahre 1853, 1856 und 1858 veröffentlicht hat. Die Frucht aller dieser Vorarbeiten war seine 1864 erschienene »Flora compendiada de Madrid y su provincia« welche von einer ausführlichen pflanzengeographischen Schilderung der Vegetationsverhältnisse begleitet ist. Nach Cutanda's Tode folgte diesem Colmeiro in der Direction des Gartens. — In den Jahren 1857 und 1858 unternahm eine Anzahl von Apothekern die Ausarbeitung eines Generalverzeichnisses aller Pflanzen, welche in den einzelnen Stadtgebieten (partidos) Spaniens wachsen; doch ist dieses Unternehmen nur in 10 Partidos zur Ausführung gekommen. Auch sind die veröffentlichten Listen bezüglich der Bestimmung der Arten nicht zuverlässig und daher von geringem Wert. Neue Arten sind in ihnen nicht beschrieben. Aehnliche Pflanzenverzeichnisse enthalten die in den fünfziger und sechziger Jahren und noch später veröffentlichten geognostisch-agrologischen und physischen Beschreibungen einer Anzahl von Provinzen Spaniens, sowie die monographischen Schilderungen verschiedener Mineralwasserbäder. MARIANO DEL AMO, welcher schon 1846 im Verein mit Cutanda ein »Manual de Botánica descriptiva«. herausgegeben hatte, worin auch viele spontane Pflanzen aus den Umgebungen von Madrid aufgezählt und beschrieben sind, veröffentlichte später, nachdem er Professor der Botanik an der Universität zu Granada geworden, im Verein mit dem dortigen Botaniker PEDRO DEL CAMPO, der seine Heimatprovinz fleißig durchstreift und dort mehrere neue Arten aufgefunden hat, im Jahre 1855 eine Anzahl dieser Arten in der Madrider »Revista de los progresos de las ciencias« und 1861 allein im »Restaurador farmacéutico« eine Beschreibung neuer oder wenig gekannter Arten des Königsreichs Granada.
In Portugal ist nach Brotero's Tode bis in die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts von Seiten der eingeborenen Botaniker für die Erforschung der spontanen Vegetation dieses Landes wenig geschehen, denn selbst die Professoren der Botanik und Directoren der botanischen Gärten von Lissabon und Coimbra haben sich irgendwie eingehend mit der vaterländischen Flora nicht beschäftigt. Dagegen erwarb sich in jener Zeit ein Ausländer große Verdienste um die Kenntnis der portugiesischen Flora, nämlich der österreichische Botaniker FRIEDRICH WELWITSCH, welcher zunächst 1840 im Auftrage der in Deutschland zusammengetretenen »Unio itineraria« als Pflanzensammler nach Portugal gegangen und schließlich ganz dort geblieben und Portugiese geworden war. W. durchforschte bis 1852 einen großen Teil Portugals, insbesondere dessen südliche Hälfte und sammelte ein großes viele damals noch unbekannte Arten enthaltendes Herbar, welches noch gegenwärtig den Bearbeitern der portugiesischen Flora reiches Material darbietet und daher eine Hauptquelle für die portugiesische Flora geworden ist. Berichte über seine Forschungen enthalten das im 1. Bande der Abhandlungen der königl. Akademie der Wissenschaften zu Lissabon (1840) veröffentlichte »Relatorio sobre o herbario da Flora portugueza do Dr. Welwitsch« von ANTONIO B. GOMES und Welwitsch's eigene im 2. Bande derselben Zeitschrift (1850) abgedruckten »Cartas sobre o herbario da Flora portugueza«. Ein zweiter Ausländer, der Franzose CHARLES BONNET, welcher Südportugal, namentlich Algarbien als Geograph bereist hatte, hat in seinem ebenfalls in den Abhandlungen der Lissaboner Akademie (2. Serie, Bd. II, 1850) veröffentlichten »Mémoire sur le royaume d'Algarve« manche beachtenswerte Bemerkung über die Vegetationsverhältnisse jener Provinz niedergelegt. Dasselbe gilt von des portugiesischen Topo- und Historiographen SILVA LOPES’ Werke : »Corografio  o memoria economica, estadistica e topografica do reino do Algarve« (Lisboa, 1841).
Durch die erwähnten zahlreichen Erforschungen der Vegetation Spaniens seitens in- und ausländischer Botaniker während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war den am Ende des 18. schon bekannten Gefäßpflanzen dieses Landes eine so große Menge bisher unbekannter hinzugefügt worden, dass nunmehr der Zeitpunkt zur Bearbeitung einer Flora Spaniens gekommen zu sein schien. Auch war ein solches Werk wegen der mehr und mehr zunehmenden Zerstreutheit der floristischen Literatur Spaniens, welche das Bestimmen spanischer Pflanzen überaus schwierig, ja für alle jene Botaniker, die sich dieselbe nicht zu verschaffen vermochten, fast unmöglich machte, nachgerade zu einem dringenden Bedürfnis geworden. Diese Erwägungen brachten bei dem Verfasser dieses Werkes, welcher schon 1852 in seinem Buche »über die Strand- und Steppengebiete der iberischen Halbinsel« einen wenn auch nur geringen Teil der bis dahin aus Spanien bekannt gewordenen Pflanzen zusammengefasst hatte, nach Vollendung seiner »Icones et descriptiones« (1856) den von ihm längst gehegten Plan, eine Flora von Spanien herauszugeben, zur Reife. Er fand an dem Professor LANGE, der mit ihm schon vor seiner Reise nach Spanien in seitdem dauernden Verkehr getreten war, einen erwünschten Mitarbeiter. So entstand der "Prodromus Florae Hispanicae« an welchem Willkomm fast unausgesetzt volle zwanzig Jahre gearbeitet hat. Der erste Band dieses umfangreichen Werkes, welches fortan die Grundlage aller ferneren floristischen Arbeiten nicht allein über Spanien, sondern über die ganze iberische Halbinsel bilden sollte und gebildet hat, erschien 1861, der dritte 1880. In demselben sind mit Einschluss der im Nachtrage zum I. und 3. Bande veröffentlichten Arten und der Kultur- und Adventivpflanzen) 5104 Arten von Gefäßpflanzen beschrieben, also etwa 1200 Arten solcher Pflanzen mehr, als zu Ende des 18. Jahrhunderts bekannt gewesen waren (s. oben S. 7).
Es mag dahingestellt bleiben, ob durch die VeröffentHchung des ersten Bandes des Prodromus sowohl die peninsularen als die auswärtigen Botaniker angeregt worden sind, die Erforschung der iberischen Flora mit noch größerem Eifer als zuvor in Angriff zu nehmen. Genug, die Thatsache steht fest, dass seitdem nicht allein von ausländischen Botanikern noch zahlreichere Forschungsreisen als zuvor nach der Halbinsel, besonders nach Spanien unternommen worden, sondern auch die spanischen und portugiesischen Botaniker mit mehr oder weniger Erfolg daran gegangen sind, auf eigene Forschungen, nicht blos auf Compilationen gegründete Bearbeitungen von Pflanzenfamihen und Specialfloren, welche ja die Grundlage jeder den Anforderungen der modernen Systematik entsprechenden Flora irgend welchen Landes sein müssen, herauszugeben. Nächst Cutanda's Flora der Provinz von Madrid war die erste derartige Schrift die von ANTONIO CIPRIANO COSTA, Professor der Botanik und Director des botanischen Gartens der Universität Barcelona 1864 veröffentlichte »lntroduccion á la Flora de Cataluña« die Frucht langjähriger Durchforschungen Cataloniens durch den Verfasser und andere einheimische Botaniker, welche unter 2411 Gefäßpflanzen eine Menge von neuen Arten, deren Mehrzahl schon 1859 durch Willkomm in der Linnaea bekannt gemacht worden war, auch eine treffliche pflanzengeographische Schilderung des Landes enthält. Diesen folgte 1867 unter dem bescheidenen Titel »Serie imperfecta« die Flora Aragoniens von FRANCISCO LOSCOS und JOSE PARDO, in welcher 2624 Arten (worunter 341 Kryptogamen) jenes seit Asso's Zeit vernachlässigten Landes aufgezählt erscheinen. Unter denselben befinden sich ebenfalls neue Arten, die bereits 1863 in dem von Willkomm herausgegebenen Vorläufer dieses Buches, der -»Series incofifectai. derselben Autoren, veröffentlicht worden waren. Eine sehr wesentliche Ergänzung dieser Flora bildeten die Abhandlungen und Pflanzenverzeichnisse von Loscos und anderen aragonesischen Botanikern oder Sammlern, welche Loscos, der unermüdliche und hochverdiente Erforscher der Vegetation Südaragoniens, dem Schreiber dieses wegen der werkthätigen Unterstützung, die jener ihm bei der Herausgabe seiner »Illustrationes«. bis zu seinem 1886 erfolgten Tode hat angedeihen lassen, zum größten Dank verpflichtet ist, unter dem Titel »Tratado de plantas de Aragon« von 1876 bis 1886 veröffentlicht hat. Auch Costa's Flora von Catalonien erhielt durch deren eigenen Verfasser bedeutende Vervollständigungen durch dessen 1873 begonnene »Ampliacion« und dessen 1876 veröffentlichtes »Suplemento« von dem 1878 eine neue Bearbeitung erschienen ist. Wertvolle Beiträge zur Flora nicht allein Cataloniens, sondern auch beider Castilien und Galiciens lieferten ferner die von JUAN Texidor 1869 herausgegebenen »Apuntes para la Flora de España«, denen 1872 »Nuevos apuntes« folgten, welche sich jedoch vorzüglich auf die Flora der Balearen beziehen. JUAN RUIZ CASAVIELLA, welcher die Pflanzen des südlichen Navarra eifrig studirt hatte, legte die Ergebnisse seiner Forschungen zuerst in den 1871 erschienenen »Apuntes« nieder, denen 1880 ein methodisches Verzeichnis aller bis dahin in Navarra beobachteten Pflanzen folgte. In derselben Zeit (1872—1874) veröffentlichte Colmeiro systematische Verzeichnisse aller bis dahin aus Spanien und Portugal bekannt gewordenen Fumariaceen, Genisteen, Anthyllideen, Rosaceen und Crassulaceen, doch enthalten auch diese keine von ihm selbst entdeckte Art. Dasselbe gilt von seiner schon 1867—68 herausgegebenen Aufzählung aller bis dahin bekannten Kryptogamen der Halbinsel, eine ebenfalls rein compilatorische Arbeit. Auch die umfangreiche in den Jahren 1871—1873 erschienene Phanerogamenflora der iberischen Halbinsel von MARIANO DEL AMO samt der ein Jahr früher herausgekommenen Kryptogamenflora desselben Autors dieses Landes enthalten wenig Neues und Originales. Erstere ist in der Hauptsache eine Übersetzung des Prodromus florae hispanicae. Dagegen war ein schätzbarer Beitrag zur pflanzengeographischen Kenntnis der Halbinsel Del Amo's Abhandlung über die geographische Verbreitung einiger wichtiger Pflanzenfamilien in Spanien und Portugal (1861). Ob in der 1875 zu Madrid erschienenen »Descripcion fisica, geológica y agrilógica de la provincia de Cuenca« von DANIEL COSTAZAS auch die spontane Vegetation jener in botanischer Beziehung noch sehr wenig gekannten Provinz berücksichtigt worden, ist dem Schreiber dieses nicht bekannt. Einen sehr wichtigen, auch neue Arten enthaltenden Beitrag zur Flora Cataloniens bilden die 1880 veröffentlichten »Plantas notables« von ESTANISLAO VAYREDA, damals Apotheker in Sagaró, welcher Jahre lang die Provinz von Gerona botanisch durchforscht hat und noch immer durchforscht. Um jene Zeit erstand auch der Flora von Niederandalusien ein eifriger Beobachter und Erforscher in JOSÉ PEREZ LARA zu Jerez de la Frontera. Seine seit dem Jahre 1886 erscheinende, leider noch nicht vollendete, unter dem bescheidenen Titel einer »Florula« herausgegebene Flora der Provinz von Cadiz, die Frucht zahlreicher Excursionen und sorgfältiger Beobachtungen, ist ein der »Voyage« von Boissier ebenbürtiges Werk, welches alle bisher in Spanien herausgekommenen Specialfloren hinsichtlich der darin kundgegebenen Kritik, Methode und Literaturkenntnis bei weitem übertrifft. Ein Jahr später begann der Valencianer CARLOS PAU, Apotheker in Segorbe, welcher der botanischen Erforschung der Provinzen von Castellon, Valencia und Teruel obgelegen hat und noch obliegt, auch in Neucastilien gewesen ist, die Ergebnisse seiner Excursionen und Beobachtungen in seinen »Notas botánicas«, welche viele neue und interessante Pflanzen enthalten, aber noch nicht zum Abschlüsse gedient hat, zu veröffentlichen. Der Forstingenieur und Professor der Botanik an der königl. Forstschule im Escorial SECALL gab 1889 ein systematisches 1062 Arten Gefäßpflanzen enthaltendes Verzeichnis aller bis dahin im Gebiet des Escorial beobachteten Pflanzen heraus, dem eine kurze pflanzengeographische Schilderung jener Gegend beigegeben ist. Auch andere Forstmänner haben, ohne etwas darüber durch den Druck bekannt zu geben, sich um die Erforschung der Vegetation Spaniens verdient gemacht, so der Graf CAMPUZANO, welcher sich ebenfalls mit der Flora des Escorialgebietes, des Guadarramagebirges und der Provinz von Madrid eingehend beschäftigt hat; MANUEL COMPANYÓ, welcher in Catalonien, besonders in dessen Ostpyrenäen botanisirt und dort viele Pflanzen gesammelt hat, SEBASTIAN VIDAL (der hochverdiente Verfasser der forstlichen Flora der Philippinen), welcher die Provinzen von Tarragona und Gerona bereist hat u. a. m. Ueberhaupt ist seit der Bildung des königlichen »Cuerpo de ingenieres de montes y bosques« seitens der spanischen Forstmänner für die Erforschung der heimatlichen Flora viel gethan worden. Insbesondere sind die in der Vegetation Spaniens so überaus zahlreichen Holzgewächse Gegenstand des sorgfältigsten Studiums und Sammclns durch die Mitglieder der behufs der Bearbeitung einer forstlichen Flora von Spanien ernannten Kommission geworden, welche die Ergebnisse ihrer Forschungen in amtlichen Berichten seit 1867 niedergelegt hat. Die größten Verdienste um die Kenntnis der spanischen Holzpflanzen hat sich aber der bereits pensionirte Generalinspektor der Forsten, MAXIMO LAGUNA erworben, der Verfasser der 1883 und 1890 erschienenen »Flora forestal española«, eines Prachtwerkes, welches auch bezüglich der geographischen Verbreitung jener Gewächse auf der Halbinsel wichtige Angaben enthält. Beachtenswerte Beiträge zur spanischen Flora lieferten ferner BLAS LÁZARO und ANDRÉZ y TUBILLA in den Annalen der spanischen Gesellschaft der Naturgeschichte (1891 und 1893), durch deren im Jahre 1870 erfolgte Gründung die naturgeschichtlichen Studien in Spanien überhaupt eine wesentliche Beförderung erfahren haben. Schließlich verdienen auch noch jene Botaniker genannt zu werden, welche in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts zur Kenntnis der spanischen Flora dadurch beigetragen haben, dass sie die Pflanzen ihrer Heimatsprovinzen fleißig gesammelt und den mit der Bearbeitung der spanischen Flora beschäftigten Forschern in liberaler Weise zur Verfügung gestellt haben, ohne selbst darüber Schriften herauszugeben. Unter solchen sind in erster Linie zu nennen: ANGEL GUIRAO in Murcia, FEDERICO TREMOLS in Barcelona (beide bereits gestorben) und VICTOR LOPEZ SEOANE in La Coruña. Von letzterem, welcher auch in der Sierra Nevada viele Pflanzen gesammelt hat, ist übrigens eine kurze »Reseña de la historia natural de Galicia« (Lugo 1866) veröffentlicht worden, welche auch ein Verzeichnis galicischer Pflanzen enthält. Um die weitere Erforschung der Flora Aragoniens haben sich neuerdings neben Loscos und Pardo auch der Pfarrer BERNARDO ZAPATER in Albarracin und dessen Schülerin BLANCA DE CATALAN früher in Valdecabriel, der Pfarrer ANTONIO BADAL in Las Parras de Martin und die Apotheker RAMON MARTIN in Mosqueruela, CUSTODIO CAMPO in Bielsa, FRANCISCO NUET in Fiscal und SALVADOR GALAVIA in Aranda del Conde durch Sammeln von Pflanzen in den Umgebungen ihrer Wohnsitze mehr oder weniger verdient gemacht. Dasselbe gilt von den Apothekern RAIMUNDO MASFERRER und JUAN MONTSERRAT in Barcelona und dem Arzte JUAN PUIGARRI in Igualada (Catalonien). Der Erstgenannte hat auch ein Verzeichnis der von ihm in den Umgebungen der nordcatalonischen Stadt Vieh gesammelten Pflanzen unter dem Titel »Recuerdos botánicos de Vich« (Madrid, 1877) herausgegeben.
Auch in Portugal begann seit den sechziger Jahren eine eifrigere Erforschung der spontanen Vegetation dieses Landes Platz zu greifen. ESTACIO DA VEIGA, welcher in der Serra de Monchique botanisirt hatte, veröffentlichte die dort von ihm beobachteten Pflanzen 1866—1869 in dem »Jornal de sciencias mathemáticas physicas e naturaes de Lisboa«, CARLOS GOMEZ MACHADO sogar einen methodischen Katalog der ihm bekannt gewordenen Pflanzen Portugals in den Jahrgängen 1866—69, BERNADINO BARROS GOMES Studien über die Eichen und andere forstlich wichtige Bäume in den Jahrgängen 1876 und 1877, der Graf v. FICALHO (gegenwärtig Direktor des botanischen Gartens der polytechnischen Schule zu Lissabon) auf eigene Forschungen beruhende systematische Verzeichnisse aller bis dahin bekannten Labiaten, Asperifolien, Scrophulariaceen und Rosaceen Portugals in den Jahrgängen 1875'—79 derselben Zeitschrift. Aber einen besonderen Aufschwung hat die botanische Durchforschung Portugals seit der 1880 erfolgten Gründung der »Sociedade Broteriana« genommen, indem diese Gesellschaft die Begünstigung floristischer und pflanzengeographischer Studien, die Ausrüstung oder Unterstützung botanischer Expeditionen, die Sammlung und Herausgabe einer Flora lusitanica exsiccata und die monographische Bearbeitung der einzelnen Familien behufs der späteren Herausgabe einer neuen Flora von Portugal zu ihren specielleren Aufgaben genommen hat. Während der 13 Jahre ihres Bestehens hat diese durch die Bemühungen des Professor JULIO HENRIQUES ins Leben gerufene Gesellschaft nicht allein bereits über 14 Centurien ihrer »Flora exsiccata« herausgegeben, sondern auch die botanische Erforschung mehrerer Gebirge (Serra do Gerez, de Bussaco, da Estrella, da Caramullo u. a.), ja ganzer Provinzen (Alem-Tejo, Traz os Montes) und die Bearbeitung einer Menge von Pflanzenfamilien, worunter sich die umfangreichsten der portugiesischen Flora befinden, ermöglicht. Letztere, welche, wie auch die Berichte über die ausgeführten Excursionen in dem von der Gesellschaft seit 1880 herausgegebenen »Boletim«, einer von Henriques trefflich redigirten Vierteljahrsschrift veröffentlicht worden und von denen mehrere mit einer Schilderung der Statistik und geographischen Verbreitung der Arten der betreffenden Familie verbunden sind, können sich wegen der darin bekundeten Gründlichkeit, Kritik und Literaturkenntnis der »Florula gaditana« von Perez Lara würdig an die Seite stellen. Nächst Henriques und dem Grafen Ficalho sind die hervorragendsten Forscher (zugleich die Bearbeiter der bisher veröffentlichten Familien) JOAQUIM DE MARIZ, Adjunct am botanischen Garten zu Coimbra, ANTONIO X. PEREIRA COUTINHO, Professor der Botanik an der polytechnischen Schule zu Lissabon, ADOLF MOLLER (Deutscher), Obergärtner des botanischen Gartens zu Coimbra, JULESS DAVEAU (Franzose), Obergärtner des botanischen Gartens zu Lissabon, und JOSÉ D’ASCENSÃO GUIMARÃES, Militäringenieur. Als eifrige Pflanzensammler verdienen außer den eben genannten hervorgehoben zu werden : A. GOLTZ DE CARVALHO, Manuel Ferreira Lapa, A. Ricardo da Cunha, F. de Loureiro, J. CaSIMIRO Barboso, der Bergingenieur EuGEN Schmitz und die beiden Engländer ISAAC NEWTON und EDWIN JOHNSTON, Handelsbeamte in Oporto. Schließlich sei noch bemerkt, dass außer den auf Antrieb der Sociedade Broteriana unternommenen Excursionen im Jahre 1881 auch von Staatswegen
eine mehrmonatliche naturwissenschaftliche Erforschung der Serra da Estrella in großem Style ausgeführt worden ist, über deren botanische Ergebnisse Professor Henriques eine besondere Schrift herausgegeben hat.
Wie schon oben erwähnt, ist die botanische Durchforschung der Pyrenäenhalbinsel in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts auch der Zweck zahlreicher Reisen auswärtiger Botaniker gewesen. Zunächst — im Jahre 1858 — besuchte Boissier in Begleitung seines wenige Jahre später verstorbenen Freundes Reuter Spanien nochmals flüchtig', ohne sich irgendwo längere Zeit aufzuhalten. Im Jahre 1862 unternahm der schweizerische Pastor und Botaniker LOUIS LERESCHE eine Reise nach Nordwest- und Centralspanien, deren Hauptaufgabe die Erforschung der pflanzenreichen Sierra de Gredos war. Im März 1873 kam Willkomm zum dritten Male nach Spanien, in Begleitung des Professors E. HEGELMAIER aus Tübingen und der schlesischen Botaniker FRITZE und WINKLER. Nach einigen in Catalonien gemeinsam unternommenen Excursionen schifften sich die beiden erstgenannten nach den Balearen ein, deren Erforschung die Hauptaufgabe von Wk.'s Reise war, während die zwei Schlesier sich nach Algesiras begaben, um später von dort aus die Provinzen von Malaga und Granada zu bereisen, wie sie das auch gethan haben. Hegelmaier kehrte von Mallorca direct nach Deutschland zurück, während Wk. nach Alicante übersetzte und von dort über Elche nach Murcia ging, von wo er dann auf der Eisenbahn nach Madrid und nach kurzem Aufenthalt daselbst nach Andalusien und Valencia reiste, um hier wieder sich nach Marseille einzuschiffen. Drei Jahre später unternahm der bekannte Gramineenforscher E. HACKEL in Begleitung Winkler's eine Reise nach der Halbinsel, welche ihn über Südandalusien nach Portugal und von dort durch Leon und Castilien nach Granada führte, wo Winkler längere Zeit verweilte, um Excursionen in die Sierra Nevada zu machen. Im Jahre 1878 besuchte Hegelmaier zum zweiten Male Spanien, insbesondere die Küstengegenden des Königreichs Valencia. In diesem und dem folgenden Jahre unternahmen Leresche und E. Levier aus Florenz unter Boissier's persönlicher Führung mehrmonatliche Excursionen nach Nord- und Centralspanien, sowie nach Portugal, auf denen sie eine Menge interessanter, darunter auch neue Pflanzen sammelten, die sie in einer besondern, die Beschreibung ihrer Touren und der Vegetation der durchwanderten Gegenden enthaltenden Schrift veröffentlicht haben. Im Jahre 1879 durchstreiften auch die drei österreichischen (südtiroler) Curaten und Botaniker RUPERT HUTER, PORTA und RIGO Südspanien, insbesondere das Königreich Granada, von wo sie eine enorme Menge von Pflanzen, worunter sich auch zahlreiche neue Arten befanden, nach Hause gebracht haben. In demselben Jahre begann der französische Botaniker G. ROUY seine Excursionen nach Spanien, welche er bis 1883 fast alljährlich wiederholt und auf denen er namentlich die Provinzen von Valencia, Alicante, Murcia und Albacete durchwandert hat. Die dort entdeckten neuen Arten und Formen hat er in verschiedenen, zugleich die Schilderung seiner Touren und der Vegetation jener Gegenden enthaltenden Abhandlungen veröffentlicht. Im Jahre 1883 botanisirte auch der Engländer LACAITA in den südlichen Küstengegenden des Königreichs Valencia, wo er ebenfalls einige neue Pflanzen zu entdecken das Glück hatte. Reich an Ausbeute an seltenen, zum Teil neuen Pflanzenarten sind auch die Excursionen gewesen, welche die schon genannten Wälschtiroler PORTA und RIGO in den Jahren 1889, 1890 und 1891 nach Granada, Murcia und Valencia und der französische Botaniker ELISÉE REVERCHON in den Jahren 1888 bis 1893 nach Andalusien, Murcia, Valencia und Südaragonien unternommen haben. Endlich hat der deutsche Botaniker Dr. DIECK im Sommer 1892 Spanien durchreist und sich besonders in der botanisch noch wenig gekannten Serrania de Cuenca längere Zeit aufgehalten, um dort Pflanzen zu sammeln. Die von Hackel in Portugal beobachteten Gramineen sind von diesem selbst in einer besondern in Lissabon erschienenen Schrift, die von Winkler und Dieck entdeckten neuen Arten von Lange in dessen »Diagnoses plantarum« die 1890 von Porta und Rigo gesammelten Pflanzen von ersterem in einer besonderen Schrift, die von Huter, Lacaita, Reverchon aufgefundenen teils von Willkomm in dessen »Illustrationes« teils von andern Botanikern (HERVIER, MAGNIER, ARVET-THOUVET, WITMAK, FREYN) in verschiedenen botanischen Zeitschriften Frankreichs und Oesterreichs beschrieben worden.
Da die Ergebnisse aller dieser teils während der Bearbeitung des 2. und 3. Bandes des »Prodromus florae hispanicae«, teils erst nach dessen Vollendung ausgeführten Forschungen in so vielerlei Einzelwerken und Zeitschriften veröffentlicht worden sind, so war nachgerade eine ähnliche Schwierigkeit, unbekannte Pflanzen aus Spanien und Portugal zu bestimmen, eingetreten, wie vor dem Erscheinen des Prodromus. Dies veranlasste Willkomm, nach Vollendung des 2. Bandes seiner seit 1881 erschienenen »Illustrationes« die gesamte neuere und neueste Literatur über die Flora Spaniens, soweit ihm dieselbe zugänglich war, noch einmal zusammenzufassen und unter Benutzung vieler seit der Veröffentlichung des Prodromus von in- und ausländischen Botanikern in Spanien zusammengebrachten Exsiccatensammlungen ein »Supplementum Prodromi« zu schreiben. Die in diesem im December 1893 erschienenen Nachtrage zum Prodromus beschriebenen, für die spanische Flora neuen Arten belaufen sich auf 491, worunter sich 233 endemische — ganz neue — Arten befinden. Rechnet man diese zu den im Prodromus aufgezählten Arten (s. oben S. 16) hinzu, von denen allerdings 147 abzuziehen sind, welche sich infolge der neueren Forschungen als unhaltbar herausgestellt haben, so beträgt gegenwärtig (1894) die Gesamtzahl der aus Spanien bekannten Gefäßpflanzen mit Einschluss der Hybriden und der verbreiteteren Kulturgewächse sowie der Adventivflora 5438 Arten. — Eine gleiche Absicht, wie den Verfasser des Supplementum Prodromi, hat wohl auch MIGUEL COLMEIRO bei der Bearbeitung seines großen fünfbändigen Werkes über die Gesamtflora der iberischen Halbinsel und der Balearen geleitet; nur ist zu bedauern, dass nach diesem Werke keine einzige Pflanze der genannten Länder bestimmt werden kann, weil dasselbe trotz seines kolossalen Umfangs nur ein dürres, systematisch geordnetes Namenverzeichnis der Arten enthält. Hätte der gelehrte Verfasser, anstatt bei jeder, selbst der gemeinsten Art, alle ihm bekannt gewordenen Standörter (deren Angabe oft ganze Seiten füllt) ohne jegliche Kritik anzuführen, den Familien und Gattungen analytische Bestimmungstabellen der Gattungen und Arten beigegeben, so würde sein Werk zur Auffindung unbekannter Pflanzen benutzbar gewesen sein. Die Gesamtzahl der darin aufgezählten Pflanzenarten der Halbinsel mit Einschluss der Balearen beläuft sich, obwohl die seit 1889 (wo der letzte Band erschienen ist] bis zur Gegenwart in Spanien und Portugal entdeckten Arten nicht darin sind, auf 9791 (6064 phanerogamische und 3727 kryptogamische). Diese unbedingt viel zu hohen Zahlen erklären sich daraus, dass der Verfasser jede irgendwo veröffentlichte Pflanze in sein Verzeichnis aufgenommen hat, ohne sie auf ihre Artberechtigung zu prüfen. Beweis dessen ist nicht allein der gänzliche Mangel irgend welcher kritischen Bemerkungen in der ganzen langen Aufzählung der Arten, sondern auch die Thatsache, dass jene 147 Arten des Prodromus, welche sich im Laufe der Zeit als falsch bestimmt oder aus andern Gründen unhaltbar erwiesen haben und deshalb im Supplementum Prodromi gestrichen werden mussten, in Colmeiro's »Enumeracion« unverändert beibehalten worden, auch viele, wenn nicht alle neueren Begrenzungen polymorpher Arten (Zusammenziehungen von für Arten ausgegebenen Formenreihen) unberücksicht geblieben sind. Aus diesen Gründen ist dieses große und theure Werk auch für statistische Untersuchungen über die Vegetation der Halbinsel nicht zu gebrauchen und die darauf von Colmeiro selbst basirte Pflanzenstatistik dieses Landes unrichtig.


Kulturpflanzen auf der Iberischen Halbinsel



Änderungen der Vegetation der iberischen Halbinsel durch Kultur und Verkehr. Kultur- und Adventivpflanzen (Willkomm pp. 324-40)

Dass die Vegetation der Halbinsel, sowohl die spontane, als die von Kulturgewächsen gebildete, nicht immer die Zusammensetzung und Physiognomie wie gegenwärtig besessen habe, sondern im Laufe der Jahrhunderte mannigfache Veränderungen erlitten habe, ist selbstverständlich. Leider fehlt es, wie schon S. 1 bemerkt, an Nachrichten aus der antiken Zeit, sowie aus den ersten Jahrhunderten des Mittelalters über die damalige Beschaffenheit der Vegetation dieses Landes fast gänzlich: dagegen lassen sich die Veränderungen, welche dieselbe seit dem 8. Jahrhundert erlitten hat, recht wohl nachweisen.
Wie bereits nachgewiesen, ist die jetzige spontane Vegetation der Halbinsel ein Gemisch von peninsularen (endemischen), mediterranen, europäischen, nord-, west- und südatlantischen Pflanzenarten und das massenhafte Auftreten der letzteren in ihrem Süden deshalb leicht erklärlich, weil die Halbinsel mit Marocco, da wo sich jetzt die Straße von Gibraltar befindet, einst unleugbar in unmittelbarer Verbindung gestanden hat. In der That dürfte es bezüglich einer großen Anzahl von im Süden der Halbinsel vorkommenden »afrikanischen« Pflanzen ganz unmöglich sein, behaupten und nachweisen zu wollen, dass dieselben aus Afrika nach Spanien oder aus Spanien nach Afrika eingewandert seien, weil sie in beiden Ländern in gleicher Häufigkeit auftreten. Anders verhält es sich mit jenen nordafrikanischen Arten, welche sich im Centrum und Osten der Halbinsel, meist sporadisch auftretend umhergestreut finden, sowie mit den orientalischen, d. h. jenen, welche im östlichen Nordafrika (Nubien, Äg)'pten) in Arabien, Syrien, Palästina, Kleinasien, Persien und in Innerasien ihre eigentliche Heimat haben. Das Vorkommen mancher dieser Pflanzen in Spanien ist und bleibt rätselhaft. Das ist z. B. der Fall bei Erigeron frigidus Boiss., welche Alpenpflanze der Sierra Nevada nach Kotschy auch auf den Hochgebirgen des südwestlichen Persien vorkommt, in dem weiten Räume zwischen dort und Spanien bisher noch nirgends aufgefunden worden ist, bei Scutellaria orientalis L., einer alpinen Pflanze der Hochgebirge von Kleinasien, Persien und Syrien, welche in der alpinen Region der granadinischen Terrassen an einzelnen Punkten auch vorkommt, bei Geum umbrosum Boiss., das sowohl in der subalpinen Region der granadinischen als der kleinasiatischen Gebirge auftritt, bei Saponaria glutinosa M. Bieb., welche Pflanze des Kaukasus und des Orients neuerdings ebenfalls in Gebirgen Granadas aufgefunden worden ist, und bei Ranunculus demissus DC, welche kleinasiatisch -persische Alpenpflanze auch in der Sierra Nevada und anderwärts in Spanien, allerdings in etwas veränderter Form wächst. An eine zufällige Einschleppung dieser Arten dürfte, da sie sämtlich perennierende und Hochgebirgspflanzen sind, kaum zu denken sein und eine absichtliche Einführung derselben erscheint, da sie weder Heil-, noch Nutzpflanzen sind, ganz ausgeschlossen. Anders verhält es sich mit den ein- und zweijährigen Arten der warmen und Bergregion des Orients, welche sich in einem großen Teil der Halbinsel, besonders aber in deren südwestlicher Hälfte umhergestreut finden, und zwar ebenfalls in denselben Regionen. Man dürfte kaum fehlgehen, wenn man diese Pflanzen als eingeschleppte betrachtet und deren Einschleppung in die Zeit der Invasion der Araber im 8. Jahrhundert und der fast 8oo jährigen Dauer der arabischen Herrschaft in Spanien versetzt.
Es ist historisch sicher gestellt, dass mehrere Weizenarten (Triticum Cevallos Lag., der »trigo moro« der Spanier, T. fastuosum Lag., vielleicht auch T. durum Desf.) durch die Araber nach Spanien gebracht worden sind. Mit diesen Weizenarten und mit anderen Kulturgewächsen dürften viele, wenn nicht alle jene ein- und zweijährigen S. 103 genannten Orientpflanzen nach der Halbinsel gekommen sein , von denen manche (z. B. Lycopsis Orientalis L., Scandix pinnatifida Vent., Malva aegyptia L., Cerastium dichotomum und perfoliatum L., Conringia orientalis L.) Andrz. noch jetzt die Rolle von Unkräutern spielen. Auch das in Andalusien auf zahmen Ölbäumen so häufig schmarotzende Viscum cruciatum Sieb, ist wahrscheinlich durch die Araber dahin eingeschleppt worden, da diese erwiesenermaßen der Pflege und Verbreitung dieses Kulturbaumes auf der Halbinsel eine ganz besondere Sorgfalt angedeihen Hessen und vermutlich auch neue Olivensorten aus dem Orient eingeführt haben. Ob die S. 104 namhaft gemachten innerasiatischen Pflanzenarten ebenfalls während der arabischen Herrschaft oder vielleicht schon während der Völkerwanderung nach Spanien gekommen sein mögen, dürfte wohl schwer zu ermitteln sein. Das rätselhafte sporadische Auftreten halophiler innerasiatischer Halbsträucher (Kalidium foliatum Moqu. T., Eurotia ceratoides C.A.M.) in den Salzsteppen Spaniens möchte, da diese Steppen unzweifelhaft ursprüngliche sind, auf eine Einschleppung durch asiatische Völkerschaften kaum zurückzuführen sein. Dagegen scheint die Einführung des Zizyphus vulgaris L. durch die Araber als eine Kultur- beziehungsweise Heilpflanze um so wahrscheinlicher, als dieser Strauch in Spanien einen arabischen Namen (azuzaifa) besitzt. Immerhin wäre es möglich, dass derselbe schon während der römischen Herrschaft nach der Halbinsel gekommen sei, weil angeblich Kaiser Augustus dessen Anpflanzung als Heilpflanze befohlen haben soll. — Während aber die Einschleppung oder Einwanderung jener orientalischen und asiatischen Pflanzen der Physiognomie der Vegetation und der Landschaft nicht zu verändern vermocht hat, ist dies durch die Einführung von Kulturgewächsen seitens der Araber in hohem Grade bewirkt worden. Dergleichen Kulturgewächse sind das Zuckerrohr und die Baumwollenstaude, welche beide während der Herrschaft des Islam im Süden der Halbinsel eine viel größere Verbreitung gehabt haben, als wie gegenwärtig, besonders aber der Johannisbrodbaum, die Orangenbäume und die Dattelpalme. Dass letztere schon während des Altertums, wo sie (zur Kaiserzeit) in Italien bereits kultiviert wurde, und vor der arabischen Invasion in Spanien vorhanden, etwa aus Italien dahin verpflanzt worden sei und sich dort seit jener fernen Zeit bis in das achte Jahrhundert erhalten habe, ist höchst unwahrscheinlich, weil weder die antiken Schriftsteller (z. B. Plinius, welcher die Naturprodukte Spaniens, z. B. die süssen Eicheln ausführlich beschreibt), noch die arabischen bis zur Regierung" des Emir Abdurrhaman Ben Moawia, des Gründers des mächtigen Kalifats von Cordoba, von Palmen in Spanien sprechen, was letztere bei der großen Vorliebe der Araber für diesen Baum gewiss nicht unterlassen haben würden. Vielmehr scheint die Dattelpalme während der Regierung des genannten Fürsten aus dem Orient nach Spanien verpflanzt worden zu sein, indem derselbe nach dem Bericht des spanisch-arabischen Geschichtsschreibers Abu Meruan Ben-Hayán im Jahre der Hedschra 139 (d. i. 756 der christlichen Zeitrechnung; zur Erinnerung an seine Heimat Damascus in einem Garten bei Cordoba eine Dattelpalme pflanzen ließ, welche nach der Meinung jenes Historikers die Stammmutter aller zu seiner Zeit in Spanien bereits vorhandenen Palmen geworden sei. Da die Dattelpalme zweihäusig ist, so müsste jene Palme eine weibliche und diese mit fremdem Pollen befruchtet worden sein. Viel wahrscheinhcher ist es aber, dass jener Kalif nicht blos eine, sondern viele Palmen in Andalusien hat anpflanzen lassen. Jedenfalls aber gebührt ihm und überhaupt den Arabern der Ruhm, die Dattelpalme und deren Kultur in Spanien eingeführt zu haben. Ein viel größeres Verdienst hat sich dieses Volk um die Halbinsel durch die Einführung der Kultur der Orangenbäume erworben. Doch sind nur der Citronenbaum (Citrus Limonum Risso) und der Pomeranzenbaum oder der Baum der bitteren Orange (C. Aurantium L.) durch die Araber dahin gebracht worden, beide übrigens wahrscheinlich nicht vor dem 12. Jahrhundert, da erst gegen Ende dieses Säculums bei arabischen Schriftstellern von Pomeranzenhainen um Sevilla die Rede ist. Dabei sei bemerkt, dass sich die arabischen Benennungen der Citronen- und Orangenfrucht nur in Spanien und Portugal, sonst nirgends in Europa erhalten haben, indem der spanische Name der Citrone: limón vom arabischen »limun«, der spanische Name der Orange (der bitteren wie der süßen): naranja (port. laranja) vom arabischen »nãrang« unleugbar abstammt. Dass der Johannisbrodbaum durch die Araber nach der Halbinsel gebracht worden sein muss, beweist schon sein dort allein üblicher, der arabischen Sprache entlehnter Vulgärname: algarrobo (port. alfarrobo). Dass aber durch die Einführung der Kulturen der Dattelpalme und der genannten Fruchtbäume, welche sich rasch über große Länderstrecken verbreiteten, die Physiognomie der spanisch-portugiesischen Vegetationsansichten und Landschaften eine gewaltige Umänderung erlitten haben muss, liegt auf der Hand.
Ein zweites Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung, nämlich die Entdeckung des Vorgebirgs der guten Hoffnung und des Seewegs nach Indien durch die Portugiesen im Jahre i486 hat in seinen Folgen ebenfalls modifizierend auf die Zusammensetzung der Vegetation der iberischen Halbinsel, ja sogar stellenweis auf deren Landschaftsphysiognomie eingewirkt.
Denn infolge der Colonisation Südafrikas durch die Portugiesen, Holländer und Engländer und des lebhaften Handelsverkehrs zwischen Portugal, dem Cap und Ostindien mussten selbstverständlich nicht nur Kulturgewächse, sondern auch spontane Pflanzen Südafrikas und Indiens nach Portugal und Spanien gelangen und, wo solche ein ihnen zusagendes Klima fanden, festen Fuß fassen und sich heimisch machen. Unter den Kulturgewächsen ist namentlich der Baum der süßen Orangen (Apfelsinen) zu nennen, welcher durch die Portugiesen im 16. Jahrhundert zuerst nach Lissabon gelangte. Dass sich derselbe von dort aus zuerst nach Spanien verbreitet habe, wie portugiesischerseits behauptet worden, ist höchst unwahrscheinlich, da spanische Schriftsteller aus dem Anfange jenes Jahrhunderts schon von der Kultur dieses Baumes in Südspanien sprachen. Unzweifelhaft ist aber der Apfelsinenbaum erst nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien, nach Europa und höchst wahrscheinlich zuerst nach der iberischen Halbinsel gekommen. Ob auch die Reiskultur erst im 16. Jahrhundert direkt aus Indien oder schon früher aus Italien nach Spanien übergeführt worden sein mag, darüber ist dem Verfasser nichts bekannt geworden. Unter den Cappflanzen, welche sich auf der Halbinsel (in deren Küstengegenden und zwar in der warmen Region der Südost-, Süd- und Westküste) angesiedelt haben, verdienen besonders hervorgehoben zu werden: Aloe perfoliata L. und arborescens Mill., Cryptostemma calendulaceum R. Br. , Pelargonium zonale W. , Oxalis cernua Thbg. und purpurea Jaqu. Die erstgenannte Aloe, eine stammlose, im Mai und Juni blühende Art mit hellroten Blütenähren findet sich, meist vereinzelt, um Alicante angeblich truppweise, längs des südöstlichen Litorale von Valencia an an Gräben; dagegen hat sich die über 1 m hohe und bis armesstarke Stämme bildende A. arborescens am Gibraltarfelsen in so großer Menge angesiedelt, dass sie dessen größte Zierde bildet, indem ihren Trauben scharlachroter Blüten, welche mit den blaugrünen Blattrosetten einen anmutigen Contrast bilden, bis 2/3 m Länge erreichen. Zur Blütezeit (im Dezember) hat jener phantastische Felsen, aus dessen Spalten an seinen West- und Südabhang dieses Prachtgewächs, das auch die Geröllmassen und selbst die Festungswälle gruppenweis bedeckt, in Hunderten von Exemplaren hervorbricht, ein ganz fremdartiges Ansehen. Das ebenfalls im Winter (Januar, Februar) blühende, mit scharlachroten Blumen gezierte Pelargonium zonale, ein stattlicher Strauch, nimmt an der Zusammensetzung der lebenden Hecken auf dem Isthmus von Cadiz einen hervorragenden Anteil. Die gelbblumige Oxalis cernua ist durch das ganze Südlitorale und am Westlitorale bis Coimbra hinauf verbreitet und völlig heimisch geworden. Sie wächst auf fettem und bebautem Boden in Menge und ist wegen ihrer Knollen ein schwer ausrottbares Unkraut. Dagegen hat sich die rotblumige Oxalis purpurea nur in den Umgebungen von Oporto angesiedelt. Beide blühen im Frühling. Cryptostemma calendulaceum ziert vom April bis Juni mit seinen großen, goldgelben Blütenkörbchen die sandigen Niederungen und steinigen Hügel der westlichen Litoralzone Portugals von Odeseixe bis auf die Halbinsel von Cezimbra, kommt übrigens auch in den Baixas do Guadiana und auf den Berlengasinseln vor. In den Kiefernwäldern der Küstenzone von Minho und Westgalicien hat sich Helichryson foetidum Cass., um Figueira da Foz an der Mondegomündung und um Trafaria an der Tajomündung Senecio pseudoelegans Less., um Lissabon die schöne Amaryllis Belladonna L. angesiedelt. Endlich sieht man in den Dörfern des Litorale von Granada häufig üppige Büschel capscher Mesembryanthema von Mauern und Dächern herabhängen. Von indischen Pflanzen findet man Eleusine indica L. um Santander auf Schutt in Menge, an der Mündung des Minho in den Salinen von Caminha Killingia monocephala L. , um Coimbra Cyperus vegetus Vahl. Eine andere ostindische Pflanze, die gelbblumige Aloe barbadensis Mill. bildet auf steinigen Strandplätzen der Küste von Murcia und Granada gesellig wachsend große rundliche Flecken.
Während aber die Folgen der Entdeckung des Caps der guten Hoffnung und des Verkehrs mit Südafrika die Physiognomie der Vegetation der Halbinsel nur an einzelnen Küstenpunkten zu verändern vermocht haben, hat ein anderes, viel großartigeres Ereignis in seinen Folgen auf die vegetative und landwirtschaftliche Physiognomie nicht blos Spaniens und Portugals, sondern aller Mediterranländer gänzlich umgestaltend eingewirkt: die Entdeckung von Amerika. Denn in deren Folge gelangte nicht nur eine Menge krautiger Pflanzen aus Nord- und Südamerika nach Spanien .(und überhaupt nach Europa), unter denselben zwei Kulturgewächse von höchster Bedeutung als Nährpflanzen, nämlich der Mais und die Kartoffel (andere Kulturpflanzen amerikanischen Ursprungs sind Solanum Lycopersicum und Melongena L., Capsicum annuum und longum L. und Nicotiana Tabacum L.), sondern auch zwei auffallend gestaltete Holzgewächse von echt tropischem Ansehen: Agave americana L. und Opuntia vulgaris Mill. aus Mejico, die sich von Spanien aus rasch durch die ganze Mediterranzone verbreitet und in derselben sich so eingebürgert haben, dass sie schon seit Jahrhunderten zu jenen Charakterpflanzen der Mittelmeerländer gehören, welche einen hervorragend bestimmenden Einfluss auf die Physiognomie der Landschaft ausüben. Außer Opuntia vulgaris, über deren Verbreitung auf der Halbinsel bereits S. 98 berichtet worden ist und welche gleichzeitig als Hecken- und Obstpflanze kultiviert wird, sind noch andere Opuntien nach Spanien und Portugal gelangt, so O. Ficus indica Henr. aus dem tropischen Südamerika, welche ebenfalls ihrer Früchte halber in den Litoralgegendcn Südost- und Südspaniens häufig angebaut erscheint, O. Tuna Mill., ebendaher, eine durch lange Nadeln ausgezeichnete und ungenießbare Früchte hervorbringende Art, die in Opuntienhecken Niederandalusiens und Algarbiens häufig angetroffen wird, und die zur Züchtung der Cochenilleschildlaus im Valencia, Malaga u. a. O. im Großen kultivierte O. coccionellifera Mill. aus Mejico. Aber die genannten Opuntien sind nicht die einzigen Cacteen, welche auf der Halbinsel eine zweite Heimat gefunden haben. Auch andere, und zwar solche, die keine nutzbaren Gewächse sind, haben sich daselbst angesiedelt. So fand Verfasser Mauern um Malaga und Faro mit einem förmlichen Teppich von Cereus flagelliformis Mill. bekleidet und trafen PORTA und RIGO den Cereus triangularis Mill. auf Ackermauern am Fuße der Sierra de Alhamilla und auf Geröll am Cabo de Gata verwildert an. Ob der im ganzen Süden der Halbinsel verwildert vorkommende, in Andalusien als Baum auftretende Ricinus communis L, aus dem tropischen Amerika oder schon früher aus dem tropischen Asien dahin gekommen sein mag, lässt sich bei der Ungewissheit über die Heimat dieses Gewächses nicht entscheiden. Zur Zeit der arabischen Herrschaft ist er jedenfalls noch nicht vorhanden gewesen, sonst würden die arabischen Schriftsteller seiner als einer auffallenden Pflanzenform gewiss Erwähnung gethan haben. Unter den amerikanischen Gräsern, Kräutern und Stauden, welche sich auf der Halbinsel angesiedelt und eingebürgert haben, verdienen besonders hervorgehoben zu werden: Paspalum vaginatum Sw. aus dem tropischen Amerika, welches Gras in den Thälern des westlichen Galicien vollkommen heimisch geworden ist, Cyperus vegetus W., ebendaher, auf Sandboden um Lissabon, Santàrem, Pampilhon u. a. O. des Litorale von Estremadura und Beira sowie in Spanien um Bilbao und Castellon de la Plana verwildert; Roubieva multifida Moqu. T. aus Südamerika, gemein auf Schutt in Sevilla und Madrid, Phytolacca decandra L. aus Nordamerika in klafterhohen üppigen Büschen in den Thälern der spanischen Westpyrenäen, insbesondere aber in der Küstenzone Galiciens (gemein und völlig wild an den Ufern der Rias von Pontevedra und Vigo und des Minoflusses) und der Provinzen Minho und Beira (an den Ufern des Mondego u. a. Flüsse), sowie in Estremadura (an den Ufern des Zezere) häufig wachsend und kleine Formationen bildend; Soliva Barclayna DC. aus Südamerika, in Kiefernwäldern und auf feuchtem Sandboden um Braga, Oporto, Vienna do Castello u. a. O. der Provinz Minho häufig; Cotula coronopifolia L. aus dem tropischen Amerika, in Strandsümpfen der cantabrischen, asturischen, westportugiesischen Küste sowie bei Chiclana häufig; Oxalis violacea L. aus Nordamerika, auf bebautem Boden um Santander und in Galicien (z. B. um Tuy) verwildert und auf Saaten als lästiges Unkraut auftretend; Euphorbia prostrata Ait. aus dem subtropischen und tropischen Amerika, mit E. Chamaesyce L. auf Basalthügeln um Lissabon häufig; Senebiera didyma P. aus Südamerika, in fast allen Seestädten des Südens der Halbinsel zwischen Pflastersteinen vorkommend. Endlich hat das tropische und subtropische Amerika den Gärten der warmen Region des Südostens, Südens und Westens der Halbinsel eine Menge von Zierpflanzen geliefert, welche anzuführen zu weit führen würde. Manche von ihnen sind auch verwildert, z. B. Solanum bonariense L. aus Südamerika, ein schöner, oft baumartig werdender Großstrauch, der sich häufig in Hecken des südlichen Spanien findet.
Die im Westen der Halbinsel vorkommenden Pflanzen der atlantischen Inseln (Azoren, Canaren, Madera), deren Verbreitung dort ihre Ostgrenze gefunden hat, sind weniger als verwildert, als vielmehr als von dort eingewandert zu betrachten. Wohl aber hat das ferne Australien dazu beigetragen, der Vegetation der Halbinsel einige strauchartige Pflanzenformen zu liefern, nämlich außer den seinerzeit erwähnten, um Cintra verwilderten Baumfarne verschiedene Arten von Eucalyptus, von denen E. Globulus Labill. ja schon zu einem Waldbaum von forstlicher Bedeutung geworden ist. Während die Folgen der bisher besprochenen welthistorischen Ereignisse der iberischen Halbinsel neue Kulturzweige zugeführt und deren Flora um viele Arten bereichert haben, hat eine zwar nicht ganz Europa beeinflussende, wohl aber für Spanien und Portugal hoch bedeutsame, ja verhängnisvolle Begebenheit nicht allein die Artenzahl der Flora dieser Länder nicht vermehrt, sondern zugleich die Produktion des Bodens in weiten Länderstrecken so verändert, dass deren Vegetationscharakter und landschaftliche Physiognomie eine gänzliche Umgestaltung erlitten hat. Das war die Vertreibung der Mauren. Als Philipp III. im Jahre 1609 die Dekrete unterzeichnete, welche die unglücklichen Abkömmlinge der Araber für immer vom spanischen Boden verdrängte und Spanien fast einer Million fleißiger und friedhcher Menschen beraubte, da hat er wohl nicht geahnt, dass er Tausende von Quadratkilometern der blühendsten Gegenden seines Reichs mit einem Federstrich auf ewige Zeiten der Verödung anheimgebe. Ein großer Teil der entvölkerten und sterilen nicht zu den Salzsteppen gehörenden Einöden Andalusiens und Murcias verdankt seine Entstehung sicher jenen ebenso unmenschlichen als unklugen Beschlüssen des genannten Königs und seines Vorgängers, denn schon unter Philipp II. mussten ja Hunderttausende von Mauren und Juden aus Spanien und Portugal auswandern. Es ist historisch erwiesen, dass die weiten Ebenen Niederandalusiens, welche jetzt mit Zwergpalmen- und Genisteengestrüpp, mit Tomillares und Espartoformationen bestreut sind und blos noch den umherwandernden Merinoschafheerden oder der Pferdezucht das erforderliche Futter zu geben vermögen, noch zu Anfang des 16. Jahrhunderts mit Weizenfeldern, Olivenhainen, Maulbeerbaumpflanzungen und Baumwollplantagen bedeckt waren, in deren blühendem Schöße Hunderte von Ortschaften lagen. Diese sind bis auf wenige verschwunden, mit ihnen die Kulturen ihrer ehemahgen Bewohner. Und nicht allein dort, sondern auch in Hochandalusien, in Murcia, Neucastilien, Niederestremadura und Niederaragonien sind dergleichen Einöden entstanden. Infolge der Vertreibung der Mauren mögen auch jene zahlreichen und ausgedehnten, mit Pinien, Kork- und Steineichen vermengten Waldbestände wilder Ölbäume entstanden sein, welche zwischen Sevilla und Utrara bedeutende Flächen einnehmen, da jene Olivenbestände kaum anders als aus ehemaligen Ölbaumpflanzungen, deren vernachlässigte Nachkommen allmählich in die Wildlingsform zurückschlugen, hervorgegangen sein können.
Endlich ist noch auf zwei Thatsachen aufmerksam zu machen, welche zwar keine Veränderung in der Physiognomie der Landschaften herbeigeführt, wohl aber zur Verbreitung von Pflanzen im Innern der Halbinsel nicht unwesentlich beigetragen haben, nämlich die seit Jahrhunderten gäng und gäben Wanderungen der Merinosheerden und in neuerer Zeit die Erbauung der Eisenbahnen. Erstere haben seit Jahrhunderten bestimmte Weideplätze und Wege, Und zwar verbringen die Merinos den Frühling in den Ebenen ihrer Heimatländer (Leon, Altcastilien, Navarra, Südaragonien, Niederandalusien), den Sommer auf den kräuterreichen Triften der hohen Plateaus der cantabrischasturischen und centralen Gebirgskette, den Parameras des iberischen Systems, in der Serrania de Cuenca und den Triften der hohen Mancha und Estremaduras. Im Herbst treten die Heerden die Wanderungen nach den Winterquartieren an, welche für die des nördlichen Spanien die umfangreichen Triften des südlichen Estremadura, für die andalusischen die Ebenen des unteren Guadalquivirbeckens sind. Im ersten Frühlinge kehren alle Heerden in ihre Heimat zurück. Da die Schafe dann mit langer Wolle begabt sind, indem die Wollschur erst in deren Heimat vorgenommen wird, so müssen selbstverständlich die Früchte und Samen vieler Pflanzen, insbesondere solcher, welche mit Haarbüscheln, Federkronen, Borsten, Widerhaken, Stacheln u. a. m. versehen sind, in derselben hängen bleiben und so über weite Landerstrecken fortgeführt und verstreut werden. Wenn man bedenkt, dass zur Blütezeit der spanischen Schafzucht, d. h. in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die Zahl der Merinos auf 30 Millionen Stück veranschlagt worden ist, dass dieselbe noch 1851 nach amtlichen Berichten 7 Millionen betrug und dass eine jede Heerde aus 10 000 Stück zu bestehen pflegt, so wird man begreifen, dass durch das Umherwandern solcher Massen langhaarigen Wollviehes zahllose Samen und Früchte mitgerissen und verstreut werden müssen. Auf diese Weise dürften viele südspanische Pflanzen (z. B. Cephalaria syriaca, Onopordon nervosum, Malva aegyptia, Althaea longiflora, Clypeola eriocarpa, Malcolmia africana) nach Neu- und Altcastilien, wo deren Vorkommen befremdlich ist, eingeschleppt worden sein. Es muss den spanischen Botanikern überlassen bleiben, die Wanderstraßen und Weideplätze der Merinos in dieser Beziehung zu durchforschen, um festzustellen, welche Pflanzenarten dort wirklich heimisch und welche dorthin eingeschleppt worden sind. Bis jetzt hat blos Laguna nachgewiesen, dass das höchst auffällige Vorkommen von Ulex europaeus auf bebuschten Triften im Puertollano und Veredar (am Nordrande der Sierra Morena) auf die Wanderungen jener Merinos Nordspaniens, die den Winter im Val de Alondia zubringen, zurückzuführen sei. Dasselbe gilt von den Eisenbahnen. Dass durch deren Erbauung viele Pflanzen von ihren natürlichen Standörtern mit der ausgehobenen Erde weggenommen und längs der Bahnen über weite Länderstrecken verbreitet werden, lehrt jeder Eisenbahndamm in jedem Lande. Dergleichen »Eisenbahnpflanzen« sind z. B. Medicago sativa und Onobrychis sativa (in Mittel- und Südeuropa). Wir haben selbst 1873 an den Dämmen der von Murcia nach Madrid führenden Eisenbahn eine Menge südspanischer Pflanzen bemerkt, unter anderen üppige Büsche von Onobrychis stenorrhiza, Hedysarum humile, Genista umbellata und Peganum Harmala, Polster von Herniaria fruticosa, Lepidium subulatum und Helianthemum squamatum, zahllose Exemplare von Stipa parviflora und Eruca vesicaria u. a. Schutt- und Steppenpflanzen, selbst die schöne, vorher nur von einzelnen Punkten des Südens der Provinzen von Murcia und Almeria bekannte Cistanche lutea, die damals gerade blühte, in großer Menge.


Wir lassen zum Schluss ein Verzeichnis der gegenwärtig in Spanien und Portugal angebauten Nutzpflanzen sowie ein solches der uns bekannt gewordenen Adventivpflanzen dieser Länder folgen.

I. Kulturgewächse. Wir wollen dieselben in Gräser, Kräuter und Holzgewächse einteilen und in systematischer Reihenfolge aufführen, wobei die allgemein verbreiteten und wichtigsten, über deren Verbreitung schon S. 87 (siehe Zusatz: pp 83 am Schluss ddieses Beitrags) die Rede gewesen ist, durch gesperrte Schrift ausgezeichnet werden sollen.
Was die Ziergewächse betrifft, so können nur die Bäume und Sträucher berücksichtigt werden, da dem Verfasser gewiss nur ein kleiner Teil der in den Gärten Spaniens und Portugals angebauten Ziergräser und Zierkräuter bekannt geworden ist.

1. Gräser und krautartige Gewächse.
Vulgärname + Weblinks:
Zea Mais L.
Oryza sativa L. — In Valencia, Murcia, Westportugal.
Penicillaria spicata W. (Ostindien, tropisches Afrika]. — In der Mancha.
Setaria italica P. B. — In Catalonien, Asturien, Galicien.
Panicum miliaceum L. — In Catalonien, Altcastilien, Galicien, Portugal.
Sorghum vulgare (L.) P.
  • saccharatum (L.) P. aus Ostindien. — In Catalonien, Murcia, Portugal.
  • cernuum W. (Andropogon compactum Brot.). — In Portugal.
Sorghumhirsen (Sorghum sp.)
Saccharum officinarum W. — Im Litorale von Granada.
Avena sativa L. — In Nordspanien und Portugal.
  • Orientalis Schreb. — In Asturien.
  • strigosa Schreb. — In Portugal.
  • nuda L. — In Nordportugal, selten!

Hordeum vulgare L. a. commune. — In ganz Spanien.
  • ß. coeleste (P. B.). — In Spanien hier und da.
  • hexastichon L. — In ganz Portugal, in Spanien selten.
Hordeum distichon L. — Wenig angebaut, in Portugal namentlich um Coimbra.

Secale cereale L. — Nordspanien, subalpine Region der S. Nevada u. a. Hochgebirge; Portugal.


Triticum vulgare L. — Besonders in beiden Castilien und Nordportugal.
  • turgidum L. — In Central- und Südostspanien und Südportugal.
  • durum Desf. — Südspanien und Südportugal (bis Lissabon).
  • Linnaeanum Lag. — In Catalonien, Valencia, Aragonien, Castilien.
  • fastuosum Lag. — In der südwestlichen Hälfte der Halbinsel, in Granada bis 1350 m.
  • Cevallos Lag. — In Andalusien.
  • polonicum L. — In Leon (nach Lagasca).
  • Spelta L. — In Nordspanien, besonders Asturien.
  • dicoccum Schrk. -— In Navarra.
  • monococcum L. — In Spanien hier und da.


Nacktweizen







Cyperus esculentus L. (Afrika, Beira). — In Valencia, Portugal.
Crocus sativus L. (Orient). — In Niederaragonien, Neucastilien (Mancha, Murcia).
Musa paradisiaca L. (Tropenzone). — Im Litorale von Valencia, Murcia und Granada vereinzelt angepflanzt.
Allium ascalonicum L. — Hier und da angebaut.
Cepa L.
  • fistulosum L.
  • Schoenoprasum L. — Hier und da angebaut.
  • Porrum L.
  • Scorodoprasum L. — Hin und wieder angebaut.
  • ' controversum Schrad. — Desgleichen.
sativum L.

Cannabis sativa L.
Spinacia glabra Mill.
  • oleracea Mill.
Atriplex hortensis L. — Hier und da angebaut.
Blitum virgatum und capitatum L. — Desgleichen.
Beta vulgaris L.
  • a. Cicla et
  • ß. rapacea. — Vorzüglich in Nordspanien.
Rumex Patientia L. — Hier und da angebaut.
Fagopyrum esculentum Mnch. (Centralasien). — In Ost- und Nordspanien.
  • tataricum Gärtn. (Centralasien). — Mit vorhergehendem ebendaselbst.

Dipsacus fullonum L. — Hin und wieder in Spanien angebaut.
Carthamus tinctorius L. (Orient, Nordafrika). — In der Mancha angebaut.
Cynara Cardunculus L. und
  • ß. sativa. — Die typische Form wird wegen der essbaren Blattstiele als »Cardo de comer«, die Varietät wegen des fleischigen Fruchtbodens und der Hüllschuppen als »Alcachofera«, portug. »Alcachofa« (Artischocke) allgemein angebaut.
Cichorium Endivia L. und Lactuca sativa L.- An vielen Sorten überall angebaut.
Cucumis flexuosus L. (Ostindien). — Hier und da angebaut.
Cucumis Citrullus Ser.
  • Melo L.
  • sativus L.
(tropisches Asien). Überall angebaut in vielen Sorten.
Lagenaria vulgaris Ser. (Tropenländer). — In der südlichen Hälfte der Halbinsel angebaut
Cucurbita Pepo L. Überall in allen Sorten angebaut.
  • Melopepo L. Hier und da angebaut.
  • verrucosa L. Hier und da angebaut.
Rubia tinctorum L. (Orient). — Hier und da angebaut, häufig verwildert.
Mentha sativa L. Häufig angebaut.
  • piperita L. Häufig angebaut.
  • viridis L. Häufig angebaut.
Origanum Majorana L. (Orient). Überall angebaut.
Satureja hortensis L.  Überall angebaut.
Batatas edulis Choisy (Ostindien). — Im Litorale von Granada häufig angebaut.
Lycopersicum esculentum L. (Südamerika). — Überall häufig angebaut.
Solanum tuberosum L. (Südamerika). — Desgleichen und in vielen Sorten; im Norden der Halbinsel in der unteren Region, im Centrum und Osten in der unteren und Bergregion, im Süden nur in der letzteren.
  • esculentum Dun. (Ostindien). — In Südspanien und Portugal häufig angebaut.
  • ovigerum Dun. (Tropenländer). — Desgleichen.





Capsicum annuum L. (tropisches Amerika). — Überall, besonders im Süden, im Großen angebaut.
Nicotiana Tabacum L.  (Amerika).
  • rustica L.
In Catalonien und den baskischen Provinzen hier und da im Kleinen angebaut.
Cuminum Cyminum L. (Ägypten, Äthiopien). — In Catalonien, Valencia und der Mancha als Gewürzpflanze im kleinen angebaut.
Coriandrum sativum L. — Hier und da als Heilpflanze angebaut.
Anethum graveolens L. — Hin und wieder angebaut.
Levisticum officinale Koch. — In Gebirgsgegenden hier und da als Arzneipflanze angebaut.
Anthriscus Cerefolium L. Hier und da angebaut.
Sium Sisarum L. Hier und da angebaut.
Apium graveolens L. Hier und da angebaut.
Pimpinella Anisum L. Hier und da angebaut.
Petroselinum sativum Hoffm.
Portulaca oleracea L. ß. sativa DC. — Hin und wieder angebaut.
Fragaria vesca L. — Überall angebaut, besonders in Barcelona, Valencia, Granada.
  • chilensis Ehrh. — In Galicien angebaut.

Arachis hypogaea L. (tropisches Afrika). — Im Litorale von Valencia, Murcia, Granada und in Niederandalusien häufig angebaut.
Ornithopus sativus Brot. — In Portugal als Futterpflanze angebaut (Serradella).
Onobrychis sativa L. — Auf Kalkboden überall angebaut.
Glycyrrhiza glabra L. — In Catalonien um Tortosa angebaut.
Cicer arietinum L. — Überall angebaut, im Süden und Westen auch in der Bergregion.
Vicia sativa L. — Hier und da (z. B. in Catalonien) angebaut.
  • Faba L. — Überall im Großen angebaut.
  • Ervilia W. — In Catalonien und Mittelportugal hier und da angebaut.
Lens esculenta Mnch. — In der unteren und Bergregion von Spanien und Portugal im Kleinen angebaut.
Lathyrus sativus L. — In fast ganz Spanien im Kleinen angebaut.
Pisum sativum L. — Überall in der unteren und Bergregion gebaut.
  • arvense L. — Mit vorigem, aber viel seltener angebaut.
Phaseolus vulgaris L. (Ostindien).
  • multiflorus W. (trop. Amerika).
Überall, Ph. vulg. in zahllosen Sorten angebaut.
Dolichos monachalis Brot. — In ganz Portugal hier und da gebaut.
  • lignosus L. (Ostindien). — Im südlichen Spanien hier und da angebaut.
Trifolium incarnatum L. — In Ost- und Nordspanien sowie in Portugal bis Cintra hinab häufig angebaut.
Medicago sativa L. —Wichtigste, überall im Großen angebaute Futterpflanze.
Lupinus albus L. — In Ost- und Südspanien und in Portugal hier und da angebaut.
  • Termis Forsk. (Ägypten). — In Algarbien um Faro angebaut.

Tropaeolum majus L. (Amerika). — Als Gewürz- und Zierpflanze angebaut.
Linum usitatissimum L. — Überall angebaut, besonders in Aragonien, Galicien und Nordportugal, im Süden nur in der Bergregion.
Gossypium herbaceum L. —- Im Litorale von Granada im Großen angebaut.
Lepidium sativum L. — Überall im Kleinen angebaut.
Brassica Napus L.
  • ß. esculenta DC. — Überall angebaut.
  • oleracea L. — Desgleichen in vielen Sorten.

Papaver somniferum L. — Häufig im Kleinen angebaut.
2. Bäume und Sträucher.

a. Nutzpflanzen.

Phoenix dactylifera L.
Corylus avellana L. — In Catalonien (um Tarragona), Granada und Asturien im großen angebaut.
  • Colurna L. (?). — In Asturien angebaut.

Quercus Ilex L.
  • ß. Ballota (Desf.). — Kaum angebaut, aber als Fruchtbaum zu betrachten.
Castanea vulgaris Lamk. — Vorherrschend Waldbaum, doch auch als Fruchtbaum angepflanzt.
Celtis australis L. — In den südlichen Provinzen an den Rändern bewässerter Felder und von Wasserleitungen sowie als Stütze der Weinrebe angepflanzt.
Morus alba L. — Überall in verschiedenen Varietäten angebaut, wo die Zucht der Seidenraupe betrieben wird.
  • nigra L. — Mit vorhergehender vereinzelt angebaut.

Ficus Carica L. — Überall in der warmen Region, im Süden und Westen, auch in der Bergregion angebaut.
Olea europaea L. — (s. S. 87 und 97.)
Ribes Grossularia L.
  • ß. sativum DC. — In Ost-, Central- und Nordspanien (wohl auch in Portugal) im Kleinen angebaut.
  • rubrum L. — Desgleichen.
Opuntia vulgaris Mill. -  s. oben S. 87 und 98.
  • Ficus indica Haw. -  s. oben S. 87 und 98.
  • coccinellifera Mill. — Im Litorale von Valencia und Granada angebaut


Punica Granatum L. — Fast überall, besonders im Süden der Halbinsel häufig angebaut.
Cydonia vulgaris P. — In Nord-, Central- und Ostspanien (und Portugal ?) im Kleinen angebaut.
Pirus communis L.
  • sativa DC.
Überall (in der südlichen Hälfte in der Bergregion) angebaut.
Malus L.
  • ß. hortensis. im größten Maßstabe in den Nordprovinzen angebaut.
Apfel  
Sorbus domestica L. — Hier und da angepflanzt.
Mespilus germanica L. — In Nord-, Central- und Ostspanien hier und da angebaut.
Crataegus Azarolus L. — In Catalonien hin und wieder angebaut.
Amygdalus communis L. — Überall, im Osten, Süden und Westen der Halbinsel im Großen angebaut.
Persica vulgaris Mill. — Desgleichen, im Großen besonders in Nieder-Aragonien und um Jana.
Prunus armeniaca L.  — Desgleichen, im Großen besonders in Nieder-Aragonien und um Jana.
Cerasus L.
  • avium L. )— Überall in vielen Sorten angebaut, im Süden besonders in der Bergregion.
Ceratonia Siliqua L — Im ganzen Süden der Halbinsel, im größten Maßstabe in Südcatalonien, Valencia und Algarbien angebaut.
Pistacia vera Sm. (Orient). — In Süd- und Centralspanien hin und wieder angebaut.
Juglans regia L. — Überall angebaut.
Vitis vinifera L. — Desgleichen (s. S. 88).

Citrus medica Risso.
  • Limetta Risso.
  • Limonum Risso,
  • Aurantium Risso.
  • vulgaris Risso.
  • decumana L.
— In der warmen Region des Südostens, Südens und Westens der Halbinsel (s. S. 87 und 98).


Zitrone
Bittere Orange
Anona Cherimolia L. (Südamerika). — Im Litorale von Granada und Niederandalusien vereinzelt angepflanzt.

b. Ziergehölze. Promenadenbäume.

Cupressus sempervirens L. — Überall in Gärten und auf Friedhöfen.
  • horizontalis Mill. (Orient). — In Catalonien und Galicicn vereinzelt.
  • glauca Lam. (Himalayaj. —. In Südspanien und Portugal vereinzelt.
Thuja occidentalis L. (Nordamerika). \ — In Nord- und Centralspanicn häufig
  • Orientalis L. (China, Japan). f angepflanzt.
Bambusa arundinacea L. (Ostasien). — In Gärten des südöstlichen, südlichen und westlichen Litorale.
Dracaena Draco L. (Canarische Inseln). — Vereinzelt in Gärten von Malaga, Cadiz, Lissabon u. a. O. Portugals.
Yucca gloriosa L. (Amerika). — In Gärten in Valencia, Granada, Niederandalusien und Südportugal häufig.
Salix babylonica L. (Orient). — Häufig angepfllanzt in Catalonien, Aragonien, Castilien, Portugal.
Populus canescens Szm. — In Parken und Promenaden Cataloniens und Castiliens.
  • alba L.
  • nigra L.
  • pyramidalis L.
Park- und Promenadenbäume, besonders im Osten, Norden und Centrum der Halbinsel.

P. alba var. pyramidalis
Ulmus glabra Mill. — Verbreitetster Promenadenbaum.
Platanus occidentalis L. (Nordamerika). — In Parken und Gärten von Ost-, Central- und Nordspanien und in Portugal häufig angepflanzt.
  • Orientalis L. (Orient). — Desgleichen, auch im Süden.


Broussonetia papyrifera Vent. (Japan). — Auf Promenaden und in Gärten hier und da.
Pircunia dioica (L.) Moqu. T. (Südamerika). — Verbreiteter Promenadenbaum im Litorale von Granada und in Niederandalusien.
Laurus nobilis L. — Überall als Zierbaum angepflanzt.
Persea gratissima Gärtn. (Canar. Inseln). — In Gärten des Litorale von Granada und in Portugal
Elaeagnus angustifolia L. — In Ost- und Südspanien häufig angepflanzt.
Vitex Agnus castus L. — Häufig in Gärten.
Lippia citriodora Kth. (Südamerika). — In Gärten Südspaniens häufig.
Solanum bonariense L. (Südamerika). — In Ost-, Central- und besonders Südspanien häufig angebaut.
?
Cestrum Parqui l’Hér. (Südamerika). — In Südspanien häufig angepflanzt.
Datura arborea L. (Peru). — Desgleichen. Nicotiana glauca Grab. (Südamerika). — Desgleichen.
Tecoma radicans Juss. (Tropisches Nordamerika). — In Südspanien häufig angebaut.
Catalpa bignonioides Walt. (ebendaher). — Im südlicheren Spanien und Portugal in Gärten häufig.
Cobaea scandens Cav. (Mejico). — Desgleichen.
Nerium Oleander L. — Überall als Zierstrauch angebaut (s. S. 98).
Periploca graeca L. (Orient, Ostindien). — Im südlichen Spanien in Gärten.
Syringa vulgaris L.
  • chinensis W.
  • persica L.
— In Gärten Ost- und Südspaniens und Nordportugal angepflanzt.
Jasminum officinale L. (Asien). — Häufig in Gärten und aus diesen verwildert in Hecken.
Diospyros Lotus L. (Orient). — In Catalonien in Gärten hier und da.
Prunus Laurocerasus L. (Orient). — Häufig in Gärten von Catalonien.
Robinia Pseudacacia L.
  • hispida L.
— Überall, besonders in den nördlichen Provinzen häufig angepflanzt.
Erythrina Corallodendron L. (Antillen). — In Gärten Andalusiens und Südportugals häufig.
?
Medicago arborea L. — In Gärten der Mediterranprovinzen, Südspaniens und Portugals.
Laburnum vulgare Griseb. — Überall angepflanzt, häufig verwildert.
Sophora japonica L. — Häufig angepflanzt.
Cercis Siliquastrum L. (Orient). — Besonders in Ost-, Central-, Nordspanien und im nördlichen Portugal häufig angebaut.
Cassia tomentosa Lam. (Trop. Amerika). — In Gärten des südlicheren Spaniens und Portugal häufig.
Gleditschia triacanthos L. (Nordamerika). — Überall häufig angepflanzt.
Poinciana pulcherrima L. (Ostindien). — In Gärten Südost- und Südspaniens.
Parkinsonia aculeata L. (Westindien). — Ebendaselbst.
Acacia Farnesiana W. (Westindien). — Im südlicheren Spanien und Portugal an Promenaden häufig angepflanzt.
Schinus molle L. (Brasilien). — In den Mediterranprovinzen Spaniens, im Süden und Südwesten der Halbinsel häufig angepflanzt.
Rhus typhinum L. (Nordamerika). — In Gärten Ost-, Nord- und Centralspaniens.
Cotinus L. — In Gärten Cataloniens, wo auch verwildert in Hecken.
Juglans cinerea L.
  • nigra L.
aus Nordamerika; — in Nordspanien hier und da angepflanzt.

Anmerkung. Vermutlich werden auch Arten von Carya als Zierbäume kultiviert.
Cneorum tricoccum L. — In Catalonien als Zierstrauch angepflanzt
Ailanthus glandulosa Desf. (China). — In Gärten, auf Promenaden hier und da.
Evonymus japonica L. — In Gärten Cataloniens und Nordspaniens.
Zizyphus vulgaris Lam. (Orient). — In Gärten Ost- und Südspaniens häufig.
Euphorbia pulcherrima W. (Trop. Amerika). — In Gärten und Promenaden des Litorale von Granada und in Niederandalusien.
Ricinus communis L. (Tropisches Amerika oder Asien?). — In Gärten häufig angepflanzt, verwildert im Süden als Baum.
Negundo fraxinifolium Nutt. (Nordamerika). — In Gärten und Promenaden Ost- und Centralspaniens häufig.
Aesculus Hippocastanum L. (Griechenland). — In Nord- und Centralspanien und in Nordportugal häufig angepflanzt.
  • rubicunda Hort. — Desgleichen.
Koelreuteria paniculata Laxm. (Asien). — In Gärten des südlicheren Spanien.
Ampelopsis hederacea Michx. (Nordamerika). — In Nord-, Central- und Ost-Spanien und in Nordportugal überall kultiviert.
Camellia japonica L. (Asien, Japan). — In Gärten der Küstenprovinzen, besonders
häufig im westlichen Litorale.
Melia Azedarach L. (Asien). — In Gärten und auf Promenaden des  südöstlichen und südlichen Spaniens sowie Portugals sehr häufig angepflanzt.
Lavatera arborea L. — In Gärten der Mediterranprovinzen und des südwestlichen Litorale angepflanzt, oft in Hecken verwildert.
Hibiscus mutabilis L. (Ostindien). — In Gärten des Litorale von Granada.
Tilia platyphyllos Scop.
  • ulmifolia Scop.
In Gärten und auf Promenaden in Nordspanien angepflanzt.
Liriodendron Tulipifera L. (Nordamerika). — In Gärten Ost-, Central- und Nordspaniens und Portugals.
Magnolia grandiflora L. (Nordamerika). — Ebendaselbst. —

Außer dieser immergrünen, zu einem großen Baum w^erdenden Art fanden sich auch blattwechselnde Magnolien in den Gärten des nordatlantischen Bezirks angepflanzt.
Es wäre gewiss sehr interessant die phänologischen Verhältnisse jener Kulturgewächse und auch Waldbäume, welche die iberische Halbinsel mit dem übrigen Europa gemein hat, kennen zu lernen. Leider ließ sich darüber nur ganz ungenügend berichten, da phänologische Beobachtungen, welche selbstverständlich nur von inländischen sesshaften Botanikern angestellt werden
können, erst an wenigen Orten und seit wenigen Jahren in Angriff" genommen worden sind. In Anbetracht der eigenthümlichen Lage und Oberflächengestaltung der Halbinsel und der dadurch bedingten klimatischen Verschiedenheiten und Gegensätze müsste unseres Erachtens ein förmliches über die ganze Oberfläche des Landes verbreitetes Netz phänologischer, auf einer und derselben Methode arbeitender Stationen hergestellt werden, um das gewiss
höchst verschiedenartige phänologische Verhalten der Beobachtungspflanzen klar zu legen, wozu aber eine mindestens zehnjährige Dauer von zielbewussten Beobachtungen erforderlich sein dürfte.

II. Adventivpflanzen. Außer den S. 327 namhaft gemachten exotischen Arten, welche auf der Halbinsel festen Fuß gefasst, sich vollkommen naturalisiert und über größere Räume verbreitet haben, sind noch nachfolgende zu nennen:

Colocasia antiquorum Schott. (Aegypten, Orient). — Bei Malaga und Caldas de Monchique. Scheint niemals zu blühen.
Coix Lacryma L. (Ostindien). — Unter Saaten bei Malaga.
Leersia hexandra Sm. (Aegypten, Ostindien). — In Sümpfen bei Algeciras.
Panicum eruciforme Sibth. Sm. (Orient). — Auf Sandboden bei Segorbe.
  • compressum Biv. (Sizilien). — In Gärten Südaragoniens.
Ammochloa subacaulis Bai. (Orient, Nordafrika). — Bei Barcelona und am Cabo de Gata.
Eleusine Barcinonensis Costa. — Auf bebautem Boden an einzelnen Punkten der catalonischen Küste, vermutlich eine tropische mit Baumwolle eingeschleppte Art.
Notoscordon fragrans Kth. (Trop. Amerika). — Bei Sevilla.
Amaranthus caudatus L. (Tropenländer). — Auf bebautem Boden hier und da in Granada.
  • hybridus L. (Amerika). — Um Murcia und Malaga.
  • hypochondriacus L. (Nordamerika). — Bei Villa de Palos in Leon.
Pupalia atropurpurea (Lamk.) Moqu. T. (Tropenländer). — Bei Algeciras.
Achyranthes argentea Lamk. (Aegypten, Trop. Afrika). — Am Gibraltarfelsen.
Alternanthera nodiflora R. Br. (Ostindien, Abyssinien). — Auf Schutt um S. Pedro de Pinatar in Murcia.
  • Achyrantha R. Br. (West- und Ostindien). — Auf Schutt in Gibraltar, an den Wällen von Cadiz, in Gassen von Puerto de Sta. Maria.
Eupatorium ageratoides L. (Südamerika). — Um Malaga.
Tagetes glandulifera Schk. (Südamerika). — Bei Malaga.
Helichryson foetidum Coss. (Cap. d. g. H.). — Bei Caldas de Reyer in Galicien.
Kleinia ficoides Haw. (ebendaher). — Auf Mauern und Dächern in Galicien.
Lantana Camara L. (Trop. Amerika). — Bei Malaga.
Salvia Grahami Bth. (Mejico). — Ebendaselbst.
Stachys lanata Jsqu. (Orient). — Um Barcelona.
Echium candicans L. M. (Canaren, Madera). — Am Strande von Ferrol.
Nonnea lutea Rchb. (Orient). — Auf bebautem Boden um Barcelona.
Heliotropium curassavicum L. (Westindien). — Bei Alicante.
Solanum persicum W. (Persien, Georgien). — Um Gerona.

Physalis peruviana L. (Äquator. Amerika). — Um Santander, Cadiz, Malaga, Barcelona.
Oenothera biennis L. (Nordamerika). — In Catalonien hie und da in Dörfern.
  • stricta Led. (Chile). — Am Strande von Gijon.
  • rosea Ait. (Amerika). — In Galicien auf Mauern um   Santiago, in Catalonien am Ufer des Llobregat u. a. O.
Medicago laciniata All. (Orient, Nordafrika). — Um Aranjuez.
Cardiospermum Halicacabum L. (Trop. Amerika). — Um Malaga.
Dieses Verzeichnis dürfte ein sehr unvollständiges sein und eine genauere Durchforschung der Küstengegenden, insbesondere der Umgebungen der Hafenorte, noch manche exotische Art demselben hinzufügen.




...
...

Zusatz: Moritz Willkomm S. 87 pp.

12. Kulturformationen. An die Waldformationen schließen sich naturgemäß zunächst die Formationen der Fruchtbäume und Obstgehölze an, welche auf der ganzen Halbinsel einen der hervorragendsten Zweige der Bodenkultur bilden. Auch sie kann man in immergrüne und sommergrüne einteilen. Zu ersteren gehören der Oelbaum, der Johannisbrodbaum, die Orangengehölze und die Dattelpalme, zu letzteren der Maulbeer- und Feigenbaum, die Obstgehölze aus den Familien der Pomaceen und Amygdalaceen, der Wallnussbaum, die Edelkastanie und der Haselstrauch. Vereinzelt im Süden angebaute akklimatisierte Obstgehölze der Tropenländer können hier nicht in Betracht kommen, wohl aber bilden die Cactusfeigen (Opuntia Ficus indica u. a. Opuntien) eine sehr charakteristische Kulturformation. Insofern diese Fruchtbäume in der Regel von einander entfernt stehen (nur in alten Orangenpflanzungen und Palmenbeständen pflegen die Kronen der Bäume sich zu berühren oder in einander zu greifen), sind deren Formationen analog den offenen Gehölzen der Waldbäume. Unter den immergrünen besitzt der Oelbaum (Olea europaea L.) die größte Verbreitung, obwohl sich seine Kultur nicht über die ganze Halbinsel, sondern nur über deren südliche Hälfte, über das westliche Dritteil Südgaliciens, Nord- und Mittelportugals, über die untere Region des Ebrobassins und der nördlichen Hälfte Cataloniens erstreckt. Innerhalb dieses Areals erreicht die Olivenzucht in Südspanien das Maximum ihrer Verbreitung, besonders in Niederandalusien. Der Johannisbrodbaum (Ceratonia Siliqua L.) gedeiht zwar überall in der warmen Region der mediterranen und südatlantischen Provinzen, tritt aber als eine wirkliche Formation nur in den valencianischen Provinzen, in Murcia und Algarbien auf Die Orangenbäume (Arten der Gattung Citrus) bilden geschlossene Formationen (Orangenhaine) in der warmen Region längs der Mittelmeer- und südatlantischen Küste, von Südcatalonien an bis Algarbien, wie auch im westlichen Küstenstriche Portugals von der Tejomündung nordwärts bis gegen das Minhothal und selbst noch im südwestlichen Galicien. Uebrigens kommen Anpflanzungen von solchen nicht allein innerhalb des Ebrobassins und in Mittelcatalonien, sondern auch an geschützten Stellen in Thälern des südlichen Tafellandes, ja selbst im nördlichen Litorale vor. Formationen Bestände, Haine) der Dattelpalme (Phoenix dactylifera L.) finden sich aber nur in den Provinzen von Alicante und Murcia (innerhalb der Litoralsteppe, obwohl dieser Baum von Barcelona an durch die ganze untere Region der südöstlichen, südlichen und westlichen Küstenzone bis Coimbra hin und tief hinein in das niederandalusische Tiefland verbreitet ist. Die Cactusfeigen (Opuntiae sp.) werden in der warmen und selbst unteren Bergregion von ganz Südspanien, sowie in den Küstenzonen Cataloniens und des mittleren Portugal nicht allein, wie in der ganzen Mediterranzone, bald für sich allein, bald im Verein mit Agave americana zu Hecken benutzt, sondern im Süden und Südosten Spaniens hin und wieder als Obstgehölze in größerem Maßstäbe gezüchtet. Außerdem treten sie dort auch verwildert auf, nicht unbedeutende Flächen in dichtem Bestände bedeckend. — Die Maulbeerbäume (Mori sp.), welche wegen ihrer essbaren Früchte zu den Fruchtgehölzen gerechnet werden müssen, obwohl sie in Spanien und Portugal lediglich wegen der Seidenraupenzucht angebaut werden, desgleichen der Feigenbaum (Ficus Carica L.) sind zwar über die ganze Halbinsel innerhalb der unteren (im Süden auch der Berg-) Region verbreitet, doch vorzugsweise durch die südöstlichen, südlichen und westlichen Provinzen (mit Einschluss des iberischen und bätischen Tieflandes), wo namentlich der Maulbeerbaum stellenweis große Flächen bedeckt (um Valencia, Murcia, Braganga u. a. O.). Dasselbe gilt von dem Mandelbaum (Amygdalus communis), dessen Kultur in der südlichen Hälfte der Halbinsel ebenfalls bis in die Bergregion hinaufsteigt. Die übrigen Steinobstgehölze werden überall angebaut, wo Boden und Klima deren Anbau gestatten (im Südosten und Süden am häufigsten Aprikosen- und Pfirsichbäume . Kernobst, insbesondere der Apfelbaum (Pirus Malus), wird besonders in Nordspanien in großem Maßstabe gezüchtet, desgleichen in Nordportugal. Allgemein verbreitet ist ferner die Kultur des Wallnussbaums (Juglans regia), doch findet man große Anpflanzungen desselben auch nur in den südlichen Provinzen, wo dieser Baum ebenfalls auch in der Bergregion gedeiht. Die Edelkastanie (Castanea vulgaris Lamk.) wird nur in jenen Gegenden, wo sie als Waldbaum auftritt, der Haselstrauch (Corylus Avellana) vorzüglich um Taragona, Granada und in Asturien kultiviert. Zu den verbreitetsten Kulturgehölzen der Halbinsel gehört ferner die Weinrebe (Vitis vinifera). Ihre Kultur, obwohl im ganzen Lande in der unteren und Bergregion betrieben, erreicht ihr Maximum ebenfalls in den Mediterran- und südatlantischen Provinzen mit Einschluss des Ebrobassins und im District Alto Douro Portugals. Die Rebengelände gehören überall zu den hervorragendsten, die Physiognomie der Vegetation am meisten bestimmenden Kulturformationen. Uebrigens findet sich die Weinrebe häufig verwildert, am massenhaftesten in den warmen Flussthälern der Sierra Morena. Der bei weitem größte Teil der angebauten Bodenoberfläche der Halbinsel wird von dem Getreidebau oder dem Anbau der Cerealiengräser eingenommen, weshalb fast überall die Formation der Getreidefelder eine hervorragende Rolle spielt. Die Centren des spanischen Getreidebaues sind die Ebenen des nördlichen Tafellandes, Neucastiliens und des Guadalquivirbeckens, die des portugiesischen die Provinzen Minho, Traz os Montes, Beira und Alemtajo. Die vorherrschenden Getreidearten sind Weizen (zahlreiche Arten!) und Gerste (als Futter für Pferde und Maulthiere gebaut) ; Hafer wird als Surrogat der Gerste nur in Gebirgsgegenden, wo diese nicht mehr fortkommen will, Roggen als Surrogat des Weizens blos in den rauhesten Gegenden Nordspaniens, Nord- und Mittelportugals und in der subalpinen bis alpinen Region der Sierra Nevada kultiviert. Zu den charakteristischsten Getreideformationen gehören die Mais- und Reisfelder. Während erstere durch die untere (im Süden auch durch die Berg-) Region der ganzen Halbinsel verbreitet sind, obwohl sie in größter Menge auch in den Mediterran-, süd- und westatlantischcn Provinzen vorkommen, sind letztere nur auf sumpfige Niederungen der valencianischen und westportugiesischen Küste, sowie auf einen kleinen Teil des Segurathales beschränkt. Die noch übrigen Cerealiengräser (Hirse, Mohrhirse, Negerhirse) spielen in der Physiognomie der Vegetation keine Rolle.
Großartig ist in Spanien und Portugal der Anbau der Hülsenfrüchte und Gemüse. Unter ersteren sind als Nährpflanzen für den Menschen die vorherrschenden die Kichererbse (Cicer arietinum), deren Anbau auf Feldern in Central-, Südost- und Südspanien in der unteren und Bergregion sehr verbreitet ist, die Puffbohne (Vicia Faba) und die in zahllosen Varietäten kultivierte Schminkbohne (Phaseolus vulgaris), als Futterpflanzen der große Flächen bedeckende Luzernenklee (Medicago sativa). Die Esparsette (Onobrychis sativa DC.) wird weniger angebaut, der Kopfklee (Trifolium pratense) nur in Nordspanien, häufiger als dieser dort und in Nordcatalonien der Incarnatklee (Trifolium incarnatum). Von den Gemüsen, zu denen auch die Kartoffel gerechnet werden muss und deren Zahl Legion ist, welche aber nur da, wo sie in großen bewässerten Gartenländereien (sogenannten Huertas oder Vegas) gezüchtet werden, in die Augen fallende Formationen bilden, wird im Anhange dieses Werkes bei den Kulturpflanzen die Rede sein.
Von Textilpflanzen werden besonders Flachs und Hanf im Großen angebaut, der erstere jedoch nur in Nordspanien, namentlich in Asturien und Galicien, sowie in Nordportugal, der letztere besonders in allen Mediterranprovinzen, wie auch im Ebrobassin, NeucastiHen und Mittelportugal, in der unteren Region. Hanffelder bilden für gewisse Gegenden eine hervorstechende Kulturformation. Dasselbe gilt von den Baumwollenfeldern, die man jedoch nur in gewissen Gegenden des südlichen Litorale sieht, wo Gossypium herbaceum im Großen angebaut wird. Als Textilpflanze ist auch die Pita (Agave americana) zu betrachten, insofern man die zähen Bastfasern von deren Blättern zu Flechtwerken benutzt. Doch wird deshalb diese exotische und im Süden häufig verwildert vorkommende Pflanze nicht auf Feldern angebaut, sondern nur in Hecken, welche aber gleich den Opuntiahecken zu den charakteristischsten und fremdartigsten Pflanzenformationen der Halbinsel wie der übrigen Mittelmeerländer gehören. Die Pita ist durch den ganzen Südosten, Süden und Westen der Halbinsel in der unteren Region verbreitet und wird im Süden auch noch in der unteren Bergregion angetroffen.
Abgesehen von den Textilpflanzen ist der Anbau von technischen oder industriellen Gewächsen sehr gering. Eine Ausnahme macht das Zuckerrohr (Saccharum officinarum), welches in den heißen Ebenen der Südküste in großem Maßstabe kultiviert wird und dessen Felder eine sehr eigenthümliche Formation bilden. Neuerdings hat in Portugal die Kultur der Zuckerrübe infolge der Gründung von Rübenzuckerfabriken einigen Aufschwung genommen, besonders in Minho, im Mondegothale und in Estremadura. Von Färbe pflanzen verdient nur der vorzugsweise in Ncucastilien und Niederaragonien angebaute Safran (Crocus sativus), welcher eine besondere Formation darstellt, hervorgehoben zu werden. Der früher in Murcia stark betriebene Anbau der Sodapflanzen (plantas barrilleras), insbesondere des Halogeton sativus Moqu. T., dessen Felder ein cigenthümliches Ansehen dargeboten haben mögen, soll bereits ganz aufgehört haben, da die Herstellung der Soda auf andere Art viel billiger kommt als durch Verbrennung von Sodapflanzen.
Ein untergeordnetes Glied der Kulturformationen bilden unstreitig die Unkräuter oder die auf bebautem Boden spontan oder zufällig vorkommenden Pflanzen, die überall der Mehrzahl nach ein- oder zweijährige Arten sind. Die iberische Halbinsel ist an solchen überaus reich. Rechnet man wenigstens alle Arten, welche auf bebautem Boden (Aeckern, Brachäckern, in Fruchtbaumpflanzungen, Weinbergen, in Gärten und an Ackerrändern bisher gefunden worden sind, zu den »Unkräutern« (span. yerbas malas), so beläuft sich deren Gesamtzahl auf circa 700 Arten, wovon 80 den Monokotyledonen (darunter die meisten den Gramineen), die übrigen den Dikotyledonen angehören. Ein sehr beträchtlicher Teil dieser Pflanzen wächst freilich auch gleichzeitig auf Schutt, an Mauern und Wegen, sowie auf Sandboden. Aus dieser großen Zahl die wirklichen Unkräuter, d. h. jene Pflanzen, welche nur auf bebautem Boden vorkommen, auszuscheiden, ist gegenwärtig noch sehr schwierig, wenn nicht unmöglich. So viel aber steht fest, dass, wenn nicht alle, so doch die Mehrzahl der mitteleuropäischen Unkräuter auch in Spanien und Portugal sich vorfinden, außer diesen aber dort noch zahlreiche mediterrane und atlantische Pflanzenarten als Unkräuter auftreten, von denen mehr als 60 endemisch sind. Endlich treten als Unkräuter auch einzelne der auf der Halbinsel ziemlich zahlreich vorhandenen »Adventivpflanzen« fremder Herkunft auf, von denen später die Rede sein wird.


Anmerkungen und Lieteraturhinweise finden sich in der Google-Docs-Version dieses Beitrages:
https://docs.google.com/document/d/1V2UzmKjqYGLSGFEPm78vB-r-sUrPLBRfAR8lZvIK6Ls/pub
.








3 comments:

  1. Die Ortsangabe für die Fossilfunde von Morgadinho (37° 05’ 52” N, 08° 13’ 59” O; 33m NN) scheint nicht zu stimmen. Wo wurde das Foto geschossen?

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    1. Vielen Dank für den Hinweis. Leider kann ich Ihnen keine genaueren Angaben machen, da das Foto aus Carríon et al. 2002 stammt. Aber es handelt sich im Foto zweifellos um Megalapías, wie sie im Barrocal des Algarve vorkommen.

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    2. PS. Ich habe jetzt eine Arbeit gefunden, die auf die Funde von Morgadinho von 1981 hinweist. Aber die Koordinaten des in der Arbeit angegebenen fundorts stimmen auch nicht mit denen in Carrión überein. Ausserdem stammen die Fossilfundo wohl aus Brunnegrabungen. Wieso da das foto mit den Megalapias erschienen ist, ist mir ein Rätsel. Aber immerhin sind sie ja typisch für die region.

      le gisement pleistocène de Morgadinho, en Algarve - RUN
      https://run.unl.pt/bitstream/10362/1538/1/CT_08_01.pdf
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      de MT Antunes - ‎2008 - ‎Citado por 26 - ‎Artigos relacionados
      le gisement pleistocène de Morgadinho, en Algarve. Centre de Estratigrafia e Paleobiologia da Universidade Nova. M. T. ANTUNES *. P. MEIN.

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